Ärzte Zeitung, 24.08.2004

KOMMENTAR

Fett-weg-Streit hinkt der Realität hinterher

Von Swanett Koops

Die Realität hat die Diskussion überholt: Während Ärzte und Wissenschaftler sich über Sinn oder Unsinn der Fett-weg-Spritze streiten, besorgen sich Frauen das frei verkäufliche Lipostabil® im Internet und spritzen sich die Substanz in Eigenregie unter die Haut.

Völlig sorglos oder verzweifelt nur das eine Ziel vor Augen: So einfach wie noch nie zur Traumfigur. Dabei braucht es nicht viel Phantasie, um sich Folgen wie Infektionen und Nekrosen, die der Fettlöser beim unsachgemäßen Gebrauch im Fettgewebe anrichten kann, auszumalen.

Der Boom der Fett-weg-Spritze ist nicht mehr aufzuhalten. Deshalb sollten die Kollegen statt zu streiten gemeinsam dafür sorgen, daß das Thema Fett-weg-Spritze wissenschaftlich angegangen wird. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben nun Ärzte der Wiener Uniklinik mit ihrer Studie geleistet.

Entweder bewährt sich die Therapie in Zukunft in weiteren Studien und etabliert sich soweit, daß sie nicht mehr im heimischen Badezimmer, sondern in Arztpraxen von darin ausgebildeten Ärzten angewendet wird. Oder aber eine mangelhafte Wirkung, schlechte Verträglichkeit und gefährliche Nebenwirkungen müssen so publik gemacht werden, daß den Anwendern von ganz allein die Lust auf die Fett-weg-Spritze vergeht.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Der Streit um die Fett-weg-Spritze: Viel Gezeter, noch wenige Fakten und fragwürdige Selbstversuche

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Parodontitis als Risikofaktor für Krebs?

Ist eine Zahnbettentzündung ein Risikofaktor für bestimmte Krebsarten? Innerhalb einer großen Gruppe Frauen in der Menopause haben Forscher deutliche Zusammenhänge gefunden. mehr »

3-D-Druck ersetzt Gips-Zahnabdrücke

Die 3-D-Technologie hat längst Einzug in die Medizin gehalten. In München gibt es eine volldigitale Kieferorthopädie-Praxis. Vom Scan bis zum 3-D-Druck des Zahnmodells läuft alles digital. mehr »

Hilfe für die Seele gefordert

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock. Die Psychoonkologie soll helfen. Aber die Unterstützung ist wenig bekannt und unterfinanziert. mehr »