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Adipöse Kinder leiden oft unter Freßanfällen

AACHEN (run). Bei stark übergewichtigen Kindern und Jugendlichen leidet nicht nur der Körper unter dem Übermaß an Pfunden. Bei vielen von ihnen ist die Adipositas auch mit einer Eßstörung assoziiert. Dies werde aber häufig übersehen, kritisiert Professor Beate Herpertz-Dahlmann aus Aachen.

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Da Eßstörungen bei Adipositas auch mit einer hohen psychiatrischen Komorbidität wie Angststörungen und Depressionen assoziiert seien, seien eine frühe Diagnose und Behandlung wichtig, betont Herpertz-Dahlmann von der Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen (Monatsschrift Kinderheilkd 152, 2004, 1295). Häufigste Formen von Eßstörung seien das "binge eating" und das "night eating syndrome".

Dabei weisen das "binge eating syndrome" und die Bulimia nervosa einige übereinstimmende Symptome auf - vor allem die rezidivierenden Heißhungerattacken. Allerdings werden beim "binge eating" keine zusätzlichen Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, etwa mit Diätpräparaten, ergriffen und die Attacken werden nicht durch Erbrechen beendet, so daß sie sich über Stunden bis Tage hinziehen können, wie Herpertz-Dahlmann erläutert.

Nach einer aktuellen Kategorisierung speziell für Kinder sind typische Symptome das Essen ohne Hungergefühl, der Kontrollverlust über das Essen, Essen als Affektantwort (etwa bei Traurigkeit) oder Belohnung, das heimliche Essen oder Verstecken von Essen sowie ein Anhalten der Symptome über mindestens drei Monate.

Symptome werden bei bis zu 30 Prozent der adipösen Jugendlichen gefunden. In einer Studie mit adipösen Jugendlichen bei einer Langzeitrehabilitation litten sogar 57 Prozent der Mädchen und 35 Prozent der Jungen an "binge eating". Und in einer Aachener Studie hätten sechs Prozent der adipösen Kinder bereits bei der Einschulung episodische Heißhungerattacken gehabt, so Herpertz-Dahlmann.

Sie plädiert daher dafür, daß Kinderärzte schon bei Kindern mit Adipositas gezielt nach Eßattacken fragen. Wichtig sei dabei die Frage, ob die Eßanfälle auch im gesättigten Zustand auftreten und mit Kontrollverlust einhergehen und ob die Anfälle im Zusammenhang mit Verstimmungen vorkommen.

Zur Behandlung kämen vor allem verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Gewichtsreduktion in Frage. Erfahrungen mit Antidepressiva und Antikonvulsiva wie bei Erwachsenen gebe es noch nicht. Bei schweren Verläufen werde in Aachen ein Versuch mit SSRI gemacht.

Daten zum "night eating syndrome" bei Kindern sind nach Angaben von Herpertz-Dahlmann noch seltener zu finden. Typisch nach vorläufigen Kriterien sei dabei eine morgendliche Appetitlosigkeit, eine abendliche Hyperphagie (mindestens 50 Prozent der täglichen Kalorien werden nach dem Abendessen verzehrt/meist Hochkalorisches), mindestens einmaliges nächtliches Erwachen in mindestens drei Nächten pro Woche und die Persistenz der Symptome über mindestens drei Monate. Die insgesamt verzehrte Nahrungsmenge sei allerdings meist geringer als beim "binge eating".

Da betroffene Erwachsene durch Schlafstörungen und depressive Verstimmungen, die zum Abend hin zunehmen, auffielen, sollten Ärzte auch bei adipösen Kindern und Jugendlichen ein "night eating syndrome" in Erwägung ziehen, wenn über Schlafstörungen geklagt werde, so Herpertz-Dahlmann. Auffällige Kinder sollten auf jeden Fall bei begleitenden psychiatrische Störungen behandelt werden. In offenen Studie wurden auch mit SSRI Erfolge erzielt.

Weitere Infos und Kontaktadressen unter http://www.dgkjp.de und unter http://www.bkjpp.de

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