Direkt zum Inhaltsbereich

Zu hoher BMI, zu wenig Bewegung - für viele ältere Saarländer gilt beides

SAARBRÜCKEN (kin). Jeder dritte Saarländer zwischen 50 und 59 Jahren leidet unter Diabetes oder Bluthochdruck. Weitere knapp fünf Prozent haben beides. Das geht aus einem Zwischenbericht zur "epidemiologischen Studie zu Chancen der Verhütung, Früherkennung und optimierten Therapie chronischer Erkrankungen in der älteren Bevölkerung" (ESTHER) hervor.

Veröffentlicht:

Die ESTHER-Studie gilt als eine der größten Erhebungen über Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. Daran haben seit dem Jahr 2000 fast 10 000 Saarländer im Alter von 50 bis 74 Jahren teilgenommen. Initiiert wurde das Projekt vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung der Universität Heidelberg und dem saarländischen Krebsregister.

Patienten haben standardisierte Fragebögen erhalten

"Die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend", berichtete der Direktor des Lehrstuhls für Epidemiologie an der Heidelberger Universität, Professor Dr. Hermann Brenner, bei der Vorstellung der ersten ESTHER-Daten in Saarbrücken. Bei den 60- bis 69jährigen litten über 50 Prozent an Diabetes, Hypertonie oder beidem. Bei den 70- bis 74jährigen seien es mehr als 55 Prozent. Probanden mit Hypertonie und Diabetes, so Brenner, hätten dreimal häufiger einen Infarkt und fast sieben mal häufiger einen Apoplex erlitten als Probanden ohne diese Erkrankungen.

Ermittelt wurden die Daten per Arzt- und Patientenbefragung mit standardisierten Fragebögen. Zudem wurden Blut-, Urin- und Stuhlproben genommen. Grundgesamtheit der Studie waren alle Saarländer zwischen 50 und 74 Jahren, die am "Gesundheits-Checkup" bei ihrem Hausarzt teilgenommen hatten.

Der genaue Umfang der Grundgesamtheit ist unklar. Im Saarland gibt es nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 320 000 Menschen zwischen 50 und 75 Jahren. Nach Kassen-Angaben liegt die Beteiligung am "Gesundheits-Checkup" bei unter 20 Prozent. Die Initiatoren von ESTHER hatten sich zu Beginn der Studie als Ziel 15 000 Teilnehmer gesetzt. Tatsächlich nahmen 9953 Menschen an der Studie teil.

Die Stichprobe bestand zu 56 Prozent aus Frauen und zu 44 Prozent aus Männer. 38 Prozent waren zwischen 50 und 59 Jahren alt, 49 Prozent zwischen 60 und 69 Jahren und 13 Prozent zwischen 70 und 74 Jahren. Ein Abgleich mit Daten des Statistischen Landesamtes ergab, daß die Stichprobe bei der Verteilung von Geschlecht und Alter ungefähr der saarländischen Bevölkerung zwischen 50 und 75 Jahren entspricht.

420 Hausärzte haben sich an der Studie beteiligt

Für ESTHER waren 850 niedergelassene Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten angeschrieben worden. 420 von ihnen machten mit, teilten in ihren Wartezimmern die Fragebögen aus und baten ihre Patienten, sich zu beteiligen. Der Fragebogen umfaßte 60 fast ausschließlich geschlossene Fragen. Gefragt wurde unter anderem nach bisherigen Erkrankungen, Operationen und Vorsorge-Untersuchungen. Die Forscher interessierten sich auch für Erkrankungen in der Familie sowie für Lebensgewohnheiten wie Ernährung, Alkohol- und Tabakkonsum. Für jeden teilnehmenden Patienten erhielten die Ärzte etwa 25 Euro.

Als Hauptfaktoren für die Erkrankungen haben die Forscher Lebensstil-Gründe ausgemacht. Die Studie ergab, daß 70 Prozent der Befragten einen Body-Mass-Index von mehr als 25 hatten, rund die Hälfte bewegte sich zu wenig. Bei zehn bis 20 Prozent konnte man nach Brenners Aussagen so gut wie gar nicht mehr von Bewegung sprechen. Weiterer Faktor sei die falsche Ernährung. Es werde zuviel Fett gegessen. "Auf fünfmal Obst und Gemüse am Tag kam kaum ein Saarländer", so Brenner.

Die ESTHER-Studie ist als Längsschnitt-Untersuchung angelegt. Nach der ersten Befragung von 2000 bis 2002 hat inzwischen eine postalische Nachbefragung der Studien-Teilnehmer stattgefunden. Daran beteiligten sich 96 Prozent der Ursprungs-Stichprobe. Zur Sicherung der Daten wurden die Angaben der Patienten durch die Befragung der behandelnden Ärzte überprüft. Weitere Erhebungen sollen alle zwei bis drei Jahre stattfinden. Insgesamt ist die Studie auf 20 Jahre angelegt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Best-Practice-Empfehlungen

Erhöhtes Schilddrüsenkrebs-Risiko unter GLP-1-RA-Therapie?

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Beyond Imaging

© Beyond

Beyond Imaging

KI-gestützte Prostata- und Kopf-MRT

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Diagnostic Results

© Diagnostic Results

Bioeksen

Molekulare PCR-Diagnostik am PoC

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen

Weniger Spätkomplikationen

Frühe HbA1c-Kontrolle zahlt sich aus

Lesetipps