Ärzte Zeitung, 17.10.2014

Kommentar zur Antibiotika-Studie

Ein Argument mehr

Von Beate Schumacher

Es klingt wie das Argument eines Antibiotikagegners, der sich um wissenschaftliche Erkenntnis wenig schert: Zu viele Antibiotika können kleine Kinder dick machen. Tatsächlich ist die Hypothese aber ein Ergebnis der jüngsten Mikrobiomforschung.

Bisher ist zwar nur eine Korrelation und noch keine Kausalität aufgezeigt worden. Doch es gibt zahlreiche Untersuchungen, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen früher Antibiotikatherapie und Adipositas zumindest plausibel machen:

Adipöse Menschen haben eine andere Darmbesiedelung als schlanke, und die veränderte Mikrobiota hat offenbar selbst adipogene Wirkung. Häufige Antibiotikabehandlungen in den ersten Lebensjahren könnten also über eine Veränderung der unreifen Darmmikrobiota das Gewicht steigen lassen.

Nun ist ein potenziell erhöhtes Adipositasrisiko sicher das kleinere Übel, wenn Infektionen eine Antibiotikatherapie erfordern. Nur werden grippale Infekte immer noch zu oft mit Antibiotika oder banale Pharyngitiden mit Breitbandantibiotika bekämpft.

Resistenzen und Antibiotika-assoziierte Diarrhöen sind gute Gründe, solche Verordnungen zu vermeiden. Die Adipositasprävention könnte ein weiterer sein.

Lesen Sie dazu auch:
Kleinkinder: Antibiotika als Dickmacher

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Sepsis – "häufigste vermeidbare Todesursache im Land"

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Viele dieser Todesfälle wären vermeidbar. Ärzte, Patientenschützer und Politiker fordern jetzt: Die Blutvergiftung muss als Notfall akzeptiert werden. mehr »

"Hacker kommen wie durch eine offene Tür in Arzt-Systeme"

Nehmen niedergelassene Ärzte Gefahren durch Cyber-Angriffe ernst genug? Sie selbst glauben das mehrheitlich. Ein Sicherheitsexperte gießt Wasser in den Wein. mehr »