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Cannabinoide

Marihuana setzt "Hunger-Hormon" frei

Nervenzellen, die normalerweise den Appetit drosseln, können Heißhunger auslösen - wenn sie durch Cannabinoide beeinflusst werden. Warum das so ist, haben deutsch-amerikanische Forscher jetzt untersucht.

Veröffentlicht:

LEIPZIG. Über einen unerwarteten Mechanismus zur Steuerung des Essverhaltens berichtet ein deutsch-amerikanisches Forscherteam (Nature 2015, online 18. Februar).

Seit Längerem sei bekannt, dass Konsumenten von Marihuana Heißhunger entwickeln. Das passiere sogar dann, wenn ihr Magen gut gefüllt sei, wird in einer Mitteilung der Universität Leipzig erläutert.

Mit dem Cannabinoid 1-Rezeptor sei der für die appetitstimulierende Wirkung verantwortliche Rezeptor bekannt. Noch nicht ganz klar sei jedoch gewesen, welche Mechanismen für den Heißhunger tatsächlich verantwortlich sind.

Areal im Hypothalamus

Im Hypothalamus-Areal des Gehirns gebe es eine Gruppe von spezialisierten Nervenzellen, die nach einer Mahlzeit aktiv werden und Sättigungsgefühl auslösen.

Dabei handelt es sich um Pro-opiomelancortinhaltige Nervenzellen oder kurz POMC-Neurone.

Diese Nervenzellen drosseln den Appetit, indem sie ein bestimmtes Hormon freisetzen. Es sorgt dafür, dass sich ein Organismus satt fühlt.

Da komplett gesättigte Mäuse nach einer Injektion von Cannabinoiden weiter fraßen, gingen die Forscher zunächst davon aus, dass dadurch die appetitzügelnden POMC-Neurone ausgeschaltet wurden.

POMC-Neurone wurden aktiviert

Da jedoch hätten die Forscher festgestellt, dass die POMC-Neurone keineswegs ausgeschaltet, sondern im Gegenteil aktiviert wurden, heißt es in der Mitteilung weiter.

Sie hätten ihre Bestimmung verändert und den Hunger noch verstärkt. Die Cannabinoide polten die POMC-Neurone folglich um und brachten sie dazu, ein hungrig machendes Hormon als Botenstoff freizusetzen, und zwar das BetaEndorphin.

Dieses "Hunger-Hormon" habe die satten Mäuse dazu veranlasst, weiterhin zu fressen. Zur Gegenkontrolle blockierten die Forscher die Rezeptoren für das Beta-Endorphin, bevor sie die Cannabinoide injizierten.

Und tatsächlich habe sich herausgestellt, dass die Mäuse nicht mehr weiterfraßen.

Therapieansatz für Adipöse

Die internationale Wissenschaftlerkooperation hat sich aufgrund der steigenden Zahl von Menschen mit starkem Übergewicht besonders für das Essverhalten interessiert.

Die aktuell im "Nature" veröffentlichten Erkenntnisse könnten in Zukunft auch in Leipzig noch größere Bedeutung entwickeln.

Mit dem Sonderforschungsbereich "Mechanismen der Adipositas" und dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositas-Erkrankungen bestünden an der Universität Leipzig zwei überregionale Kompetenzzentren, die sich unter anderem damit beschäftigen, wie das menschliche Gehirn das Essverhalten steuert.

Möglicherweise könnten die Ergebnisse dazu beitragen, Therapien zur Behandlung von Essstörungen zu entwickeln, so wird in der Mitteilung aus Leipzig auf eine mögliche medizinische Anwendung hingewiesen. (eb)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 26.02.201500:15 Uhr

Schon wieder ein Versuch zur Drogenfreigabe unter dem Deckmäntelchen medizinischer Indikation.

Na klar bei einer schon recht großen Minderheit sehr beliebt.

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