Experten kritisieren

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HAMBURG. Menschen mit Adipositas seien in Deutschland stigmatisiert und eklatant unterversorgt, kritisieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) vorab zum Kongress Viszeralmedizin 2016.

Chirurgische Maßnahmen zur Reduzierung des Übergewichts, etwa ein Magenbypassoder die Bildung eines Schlauchmagens, empfehlen Ärzte nur bei extremer, krankhafter Fettleibigkeit und nach Versagen oder nicht aussichtsreicher konservativer multimodaler Therapie, teilt die DGVS mit.

Sie kommen nach aktuellen Leitlinien ab einem BMI > 40 kg/m2 in Frage, oder = 35 kg/m2, sofern bereits schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes vorliegen. In Deutschland erfüllen diese Kriterien aktuell rund zwei Millionen Menschen.

Adipositaschirurgische Eingriffe wurden 2015 aber nur bei 9932 Betroffenen durchgeführt, heißt es in der Mitteilung. In westlichen Nachbarländern wie Frankreich, Belgien oder den Niederlanden liegen die Eingriffszahlen im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich höher.

Germer: Einsicht fehlt, dass Adipositas Krankheit ist

"Hierzulande fehlt bedauerlicherweise die Einsicht, dass Adipositas eine Erkrankung ist und auch so behandelt werden muss", wird Professor Christoph-Thomas Germer, DGAV-Präsident und Kongresspräsident der Viszeralmedizin 2016, in der Mitteilung zitiert.

Und weiter: "Derzeit sieht die Genehmigungspraxis der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland so aus, dass eine Behandlung nach medizinisch-wissenschaftlichem Standard weitgehend verhindert wird – krankhaft Übergewichtigen wird evidenzbasierte Hochleistungsmedizin damit vorenthalten."

Dabei sei der medizinische Nutzen der Eingriffe durch zahlreiche aussagekräftige Studien belegt. "Es ist völlig unstrittig, dass die Adipositaschirurgie beim überwiegenden Teil der Patienten zu einem relevanten und nachhaltigen Gewichtsverlust führt, zu einer verbesserten Lebensqualität und – was noch sehr viel wichtiger ist – zu einer signifikanten Verbesserung von Begleiterkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Leiden", so Privatdozent Florian Seyfried, Oberarzt der Chirurgischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg. (eb)

Weitere Informationen zum Kongress auf: www.viszeralmedizin.com

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Kommentare
Wolfgang P. Bayerl 16.09.201608:51 Uhr

Danke Ärzteblatt für den Hinweis, der wohl wieder (nur) in Deutschland wirkungslos verhallt.

Ein ganz allgemeiner eindeutig antichirurgischer Trend, leider auch innerhalb der Ärzteschaft. Ein ganz allgemeiner eindeutig antichirurgischer Trend, leider auch innerhalb der Ärzteschaft, aber besonders gepflegt bei Laien und Medien in einem Land mit großartigen Pionieren dieser Disziplin.
Das betrifft keineswegs nur die dankbare Übergewichtschirurgie auch "wirtschaftlich" völlig unverständlich.
Denn ganz überwiegend ist Chirurgie kurativ und hinterlässt keine "Dauerpatienten". Selbst von Blinddarm- Gallenblasen- und Antirefluxchirurgie wird zunehmend abgeraten. Transplantation, ein ganz dunkles Kapitel.
Da müssen auch die Juristen erst mal von ihrem hohen Ross herunter und endlich von der indizierten Operation als "strafbare vorsätzliche Körperverletzung" Abschied nehmen.
Gleichzeitig ist kommerzielle Krebsbehandlung durch Nichtärzte gar willkommen ??? hä?
und eine Bertelsmannstifftung darf ungestraft von Hobbychirurgie erfahrener Fachärzte sprechen, die zu verbieten sei.
Gerade im operativen Bereich gibt es immer noch Medizintourismus NACH Deutschland, während Deutsche neuerdings wegen dieser Politik ins Ausland fahren müssen.

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