Ärzte Zeitung, 24.10.2016
 

Studie bei Kindern

"Blutentnahme nüchtern" nicht notwendig!

Ob die letzte Mahlzeit vor Blutentnahme fünf oder nur eine Stunde zurück-liegt, scheint bei Kindern unter sieben Jahren keinen entscheidenden Einfluss auf Serumlipid- und Glukosewerte zu haben.

"Blutentnahme nüchtern" nicht notwendig!

Hat das Nüchternsein bei der Blutentnahme bei Kindern einen Einfluss auf die Messwerte des Lipidprofils?

© Alexander Raths / fotolia.com

HAMILTON. Den Zusammenhang zwischen Fastendauer und Blutfett- sowie Blutzuckerwerten bei Kindern haben kanadische Pädiater an 2713 gesunden Kindern im Alter bis sechs Jahre genauer überprüft (JPDS 2016; online 11. Oktober). Im Rahmen des Projektes TARGet Kids! (The Applied Research Group for Kids!) wurde der Lipid- und Glukosestoffwechsel der Kinder untersucht und nachgefragt, wann sie zum letzten Mal vor der Blutentnahme gegessen oder getrunken hatten.

Im Median war die letzte Mahlzeit 1,8 Stunden her, die erste und 99. Perzentile lagen bei null bzw. fünf Stunden. Die längste Fastenperiode betrug 11,7 Stunden. Länger als fünf Stunden nichts gegessen hatten insgesamt nur neun Kinder.

Signifikanter Zusammenhang bei adipösen Kindern

Ob und wie lange die Kinder gefastet hatten, war für die Messwerte des Lipidprofils nicht relevant, auch nicht nach Berücksichtigung von Parametern wie Alter, Geschlecht, BMI, Ethnienzugehörigkeit der Mutter und Zeitpunkt der Blutentnahme. Die 5-Stunden-Werte lagen im Vergleich zu den 0-Stunden-Werten beim Gesamtcholesterin um 1,8 Prozent, beim Non-HDL-Cholesterin um 3,1 Prozent und bei den Triglyzeriden um 11,9 Prozent niedriger. Um 1,8 Prozent bzw. 0,7 Prozent gestiegen waren sie beim HDL bzw. LDL.

 Bei adipösen Kindern stellte sich der Zusammenhang zwischen Fastendauer und HDL-Wert als signifikant heraus, wie die nach BMI-z-Score stratifizierte Analyse ergab, nicht so bei Normal- und Übergewichtigen. Die Triglyzeridwerte sanken mit steigender Fastendauer nur bei normal- und übergewichtigen Kindern signifikant, nicht bei adipösen.

Geringer Unterschied

Für die Parameter Glukose, Insulin und Insulinresistenz (HOMA-IR) war die Dauer der Nahrungskarenz auch unabhängig vom BMI-z-Score mit den gemessenen Konzentrationen assoziiert. Die Messwerte, denen null Stunden Nahrungskarenz vorausgegangen war, lagen im Vergleich zu den Fünf-Stunden-Werten im Durchschnitt um 7,2 Prozent (Glukose), 67,1 Prozent (Insulin) bzw. 69,9 Prozent (HOMA-IR) höher.

Speziell bei der Glukose veränderte sich mit der Karenzdauer die Konzentration im Blut nur wenig, für jede Stunde mehr, die gefastet worden war, sank der Wert im Durchschnitt gerade mal um 0,092 mmol / l.Angesichts der Ergebnisse sind die kanadischen Pädiater überzeugt, dass für die routinemäßige Bestimmung der Serumlipid- und Blutglukosekonzentration bei Kindern unter sieben Jahren die Nüchternblutentnahme nicht notwendig ist.

Denn auch wenn bei den Parametern HDL, Triglyzeride und Glukose der Zusammenhang zwischen Fastendauer und Serumkonzentration teils statistisch relevant ausfiel, blieb der Unterschied so gering, dass nach Ansicht der Autoren diese Varianz klinisch ohne Bedeutung sein dürfte. (dk)

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