Ärzte Zeitung online, 18.04.2017

Übergewicht

Zum Abspecken in die Arktis?

Setzen leicht frierende Menschen schneller Fett an? Eine evolutionäre Anpassung des Menschen fördert tatsächlich die Zunahme an Fettleibigkeit, haben Forscher nun herausgefunden.

Zum Abspecken in die Arktis?

Walross in der Arktis: Forscher Forscher vermuteten, dass es Gene gibt, die die Balance zwischen Wärmeproduktion und Fettspeicherung steuern.

© MAK/Fotolia.com

HEIDELBERG. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben an Fruchtfliegen ein Gen identifiziert, das die Balance zwischen Körperwärme und Fettverbrennung steuert. Fehle die Erbanlage, setzen die Fliegen Fett an und produzieren weniger Körperwärme, teilt das DKFZ mit.

Die Forscher vermuteten, dass es Gene gebe, die die Balance zwischen Wärmeproduktion und Fettspeicherung steuern. Ein Kandidat für ein solches Balance-Gen war THADA. "Wir hatten allerdings keine Vorstellung davon, welche Funktion oder Aufgabe THADA im Organismus ausübt und ob es tatsächlich in die Stoffwechselregulation eingreift. Um das herauszufinden, haben wir das Gen bei Fruchtfliegen ausgeschaltet", so Aurelio Teleman vom DKFZ in der Mitteilung.

Fliegen ohne THADA fressen viel, setzen Fett an und produzieren weniger Wärme, sodass sie schnell unter Kälte leiden. Nach einigen Stunden im Kühlschrank erstarren Fruchtfliegen. Während sich die normalen Fliegen rasch erholen, brauchten die Tiere ohne THADA dafür deutlich länger (Dev Cell 2017; 41(1):72-81.e6). "Ihr Fett isoliert sie also nicht und wir konnten nachweisen, dass sie tatsächlich weniger Wärme produzieren", so Erstautorin Alexandra Moraru.

THADA, so fanden die DKFZ-Forscher heraus, beeinflusst ein Protein, das Calcium aus dem Zellplasma in zelluläre Speicherdepots pumpt. Diese Pumpleistung steigt dramatisch an, wenn THADA fehlt. Wenn die Forscher die Leistung der Calcium-Pumpe experimentell drosseln, kompensiert dies den THADA-Verlust und schützt die Fliegen vor Fettleibigkeit.

Die aktuellen Ergebnisse lassen auch Krebsexperten aufhorchen: Verschiedene Defekte des THADA-Gens stehen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen im Zusammenhang, etwa mit akuten Leukämien, Schilddrüsenkrebs, Prostata- und Darmkrebs. (eb/mmr)

[12.05.2017, 12:15:09]
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[18.04.2017, 13:00:18]
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