Ärzte Zeitung, 18.12.2006

Pollenallergie im Advent oder Infekt?

Derzeit schwacher Flug von Haselnußpollen ist kein Grund für Stop der Immuntherapie

BERLIN (ikr). Pollenflug im Advent - das ist ungewöhnlich! Kollegen sind irritiert. Denn sie setzen auf die eigentlich pollenfreie Zeit, um Patienten mit Allergie auf Frühblüher wie Hasel zu desensibilisieren. Es gibt aber keinen Grund zur Sorge.

Heuschnupfen im Winter. Die anhaltend milden Temperaturen machen es möglich. Foto: imago

Trotz des derzeitigen Pollenflugs muß eine spezifische Immuntherapie (SIT) auch bei Patienten mit Allergie gegen Haselnußpollen nicht unterbrochen werden. Da es sich nur um einen schwachen Pollenflug handle, sei bei einer SIT nicht verstärkt mit unerwünschten Wirkungen zu rechnen, sagte Professor Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum der Charité in Berlin zur "Ärzte Zeitung".

Allerdings: Patienten, die eine subkutane Immuntherapie mit Haselpollen-Extrakt erhalten, sollten vor der nächsten Injektion gefragt werden, ob sie schon starke Heuschnupfen-Symptome oder leichte asthmatische Symptome haben. Bergmann: "Wird über starken Juckreiz in Nase und Augen sowie Schniefnase und leichten Husten geklagt, sollte die Allergenextrakt-Dosis vorsichtshalber um ein Drittel reduziert werden." Die tägliche sublinguale Therapie könne unverändert fortgesetzt werden. Sie darf ja auch noch während der Pollensaison gestartet werden.

Ob es sich bei Schnupfen derzeit tatsächlich um eine Allergie oder aber um einen viralen Infekt handelt, lasse sich, so Bergmann, einfach und schnell mit einer einzigen Frage klären: "Haben Sie Juckreiz in Nase und Augen?" Sei die Antwort "Ja", handele es sich ziemlich sicher um Heuschnupfen. Denn Juckreiz gebe es meist nur bei Allergien.

Weitere Infos zum Thema Pollenflug: http://www.pollenstiftung.de/

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