Ärzte Zeitung, 20.02.2009

Impfung gegen Allergien aus könnte aus Kuhställen kommen

Kinder mit Kontakt zu Kuhstallkeimen sind weniger Allergie-anfällig / Impfkonzept bei Mäusen erfolgreich

BERLIN (gvg). Zwei Bakterien aus Kuhställen scheinen einen gewissen Schutz vor Allergien zu bieten. Sie könnten den Weg zu einer Art Impfung weisen, die resistenter macht gegen allergische Erkrankungen (wie kurz berichtet).

Der Aufenthalt in Kuhställen ist offenbar gesund: Bei Kindern mit häufigem Kuh-Kontakt wurden niedrige Raten von Allergien gefunden.

Foto: dpa

Bei den Bakterien handele es sich um Acinetobacter lwoffii und um das Milchsäurebakterium Lactococcus lactis, wie Professor Erika von Mutius von der Dr. von Haunerschen Kinderklinik der LMU München sagte. Diese Bakterien wurden isoliert, indem Petrischalen mit Nährmedien in Kuhställen aufgestellt wurden.

Die Wissenschaftler untersuchten dann, welche der diversen Keime, die in diesen Schalen wuchsen, bei Kindern zu einer Immunantwort führten. Die dahinter stehende Hypothese war, dass Kontakt zu Kuhstallkeimen in früher Jugend das Immunsystem weniger anfällig macht für Allergien. Dass Kinder mit Kontakt zu Kuhställen weniger Allergien entwickeln als Kinder ohne Kontakt zu Kuhställen sei mittlerweile in 17 unabhängigen Untersuchungen gezeigt worden, so die Expertin bei einer Veranstaltung der Deutschen Allergie-Gesellschaft DGAKI und des Deutschen Grünen Kreuzes.

Am ausgeprägtesten war die Immunantwort der Kinder bei Acinetobacter und Lactococcus. Die Antigene dieser Keime haben die Forscher dann bei Mäusen mit Allergie gegen Hühnereiweiß intranasal injiziert. Und siehe da: Jene Mäuse, die mit den Bakterienantigenen in Kontakt kamen, entwickelten weniger Symptome als jene, die sich ohne bakterielle Hilfe mit dem Hühnereiweiß konfrontiert sahen.

Jetzt sollen weitere Studien folgen, sowohl mit Tieren als auch mit Menschen. Unter anderem wird derzeit untersucht, ob Kinder mit Kuhstallkontakt, die keine Allergien haben, regelmäßig Antikörpertiter gegen die beiden Bakterien aufweisen. "Wir wollen außerdem noch weitere Keime identifizieren, die ähnliche Effekte haben", so von Mutius. Ganz am Ende könnte irgendwann ein Antigencocktail als Medikament stehen, der zum Beispiel allergiegefährdeten Großstadtkindern in früher Jugend "verimpft" werden könnte, um so deren Allergierisiko - immerhin 15 Prozent - zu senken.

Mittlerweile gibt es mit der Bochumer Firma ProtectImmun auch ein von Wissenschaftlern gegründetes Spin off-Unternehmen, das sich um die kommerzielle Seite der "Impfstoff"-Entwicklung kümmert. Wann genau mit einem Präparat zu rechnen ist, wollte von Mutius freilich nicht sagen: "Ich gehe in 15 Jahren in Rente und hoffe, dass ich das vorher noch erlebe."

Mehr Infos zu Allergien www.dgaki.de

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