Ärzte Zeitung, 16.11.2005

Arznei und Sport erleichtern Leben mit COPD

Bronchodilatatoren und Kortikosteroide mindern Atemnot und Rate der Exazerbationen / Plädoyer für Sport-Mix

NEU-ISENBURG (ikr). Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) steht in Deutschland auf Rang sieben der Todesursachen. Weltweit ist COPD sogar der vierthäufigste Todesgrund, und die Tendenz ist steigend. Gegen die Krankheit läßt sich, vor allem wenn sie früh erkannt wird, jedoch eine Menge tun - getreu dem Motto des heutigen Welt-COPD-Tages "Atemlos, aber nicht hilflos!"

 
Die Spirometrie eignet sich am besten zur Diagnostik der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung. Foto: sbra
 

In Deutschland haben derzeit schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen eine COPD. Betroffen sind besonders langjährige Raucher. Im Gegensatz zum Asthma bronchiale handelt es sich bei der COPD um eine progrediente, mit Bronchodilatatoren nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion. Es ist daher wichtig, die Krankheit früh zu erkennen, um den Verlust der Lungenfunktion reduzieren und die Symptome mindern zu können.

Die Krankheit beginnt meist schleichend

Die COPD beginnt meist schleichend mit morgendlichem Husten und Auswurf. Da viele Patienten dies zunächst nicht ernst nehmen und als harmlosen Raucherhusten abtun, empfehlen Pneumologen, bei jedem Erstkontakt mit einem Patienten, der raucht, nach chronischem Husten mit Auswurf und Belastungsdyspnoe zu fragen. Gegebenenfalls sollte die Lungenfunktion geprüft werden, und zwar auch dann, wenn noch keine Atemnot besteht.

Hierfür eignet sich nach der Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie am besten die Spirometrie. Liegt das Verhältnis von Einsekundenkapazität (FEV1) zur Vitalkapazität (VC) unter 70 Prozent, ist das ein wichtiger Hinweis auf eine COPD. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis einer nicht vollständig reversiblen Atemwegsobstruktion.

Obersten Stellenwert bei der Behandlung von COPD-Kranken hat nach wie vor der Rauchverzicht. Nur dadurch kann der Verlust der Lungenfunktion dauerhaft gebremst werden. Es gibt aber auch effektive Arzneimittel, vor allem Bronchodilatatoren, um die Atemnot der Patienten zu verringern und Exazerbationen entgegenzuwirken. Exazerbationen sind besonders gefürchtet, da sich die Lunge nach dem Abklingen nicht mehr vollständig erholt.

Bei Patienten mit leichtgradiger COPD, also bei einer FEV1 von 80 Prozent oder darüber, wird in der internationalen GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease)-Leitlinie das Vermeiden von Risikofaktoren wie Rauchen sowie die Behandlung mit kurzwirksamen Bronchodilatatoren - Anticholinergika oder Beta-2-Mimetika - bei Bedarf empfohlen.

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD, das heißt mit einer FEV1 von weniger als 80 Prozent, sollten das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium oder langwirksame Beta-2-Mimetika wie Formoterol und Salmeterol zur Dauertherapie erhalten. Bei schwerer COPD, also einem FEV1-Wert von unter 50 Prozent, können zusätzlich inhalative Kortikosteroide angewandt werden. Auch eine Langzeit-Sauerstofftherapie kommt hier in Frage.

Tiotropium hat den Vorteil, daß es über 24 Stunden bronchodilatierend wirkt und daher nur einmal täglich inhaliert wird. Zudem kann das Mittel offenbar die fortschreitende Verschlechterung der Lungenfunktion bremsen. Das hat die Analyse der Daten aus Placebo-kontrollierten Studien ergeben (Pulmonary Pharmacology & Therapeutics 18, 2005, 75).

Auch bei dem Beta-2-Mimetikum Formoterol genügt für COPD-Kranke offenbar die einmal tägliche Anwendung. Die einmal tägliche Inhalation über den Pulverinhalator Novolizer® war in einer Studie bei moderat bis schwer kranken COPD-Patienten ebenso wirksam wie der zweimal tägliche Gebrauch. Lungenfunktion und subjektive Symptomatik besserten sich rasch und anhaltend.

Wichtig für COPD-Patienten ist auch ein individuell angepaßtes Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining. Dadurch läßt sich ein Teufelskreis aus Schonung und Zunahme der Atemnot verhindern. Patienten mit leichter COPD seien am besten in einer Lungensportgruppe aufgehoben, empfiehlt Professor Heinrich Worth vom Klinikum Fürth.

Informationen zu Lungensportgruppen gibt es bei der AG Lungensport in Deutschland e.V, Tel.: 0 61 33 / 20 23; Internet: www.lungensport.org

STICHWORT

COPD

Unter COPD (chronic obstructive pulmonary disease) versteht man nach den Leitlinien der Atemwegsliga eine funktionelle Beeinträchtigung der Lunge, die charakterisiert ist durch eine Kombination aus chronischem Husten, gesteigerter Sputumproduktion, Atemnot, Atemwegsobstruktion und eingeschränktem Gasaustausch. Klinisch äußert sich eine COPD durch eine progrediente, mit Bronchodilatatoren nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion. Es liegt eine chronische Bronchitis oder ein Lungenemphysem zugrunde.

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