Ärzte Zeitung, 04.05.2006

Jetzt orale Monotherapie für Kinder mit leichtem Asthma

Montelukast ist eine nichtsteroidale Alternative zu inhalativen Steroiden / Auch Ergänzung einer inhalativen Steroidtherapie ist möglich

FRANKFURT AM MAIN (ku). Seit kurzem ist der Leukotrienrezeptorantagonist Montelukast in der EU zur Monotherapie von Kindern mit leichtem persistierendem Asthma zugelassen.

Professor Jürgen Seidenberg: Montelukast ist eine Alternative, wenn Kortikoide nicht in Frage kommen. Foto: ner

Diese Erweiterung der Zulassung um die Monotherapie bei Kindern bedeutet, daß Pädiatern jetzt bei vielen Patienten eine nichtsteroidale orale Alternative zu den inhalativen Steroiden zur Verfügung steht.

Für Kinder mit leichtem persistierendem Asthma, die zwischen zwei und vierzehn Jahre alt sind, keine schweren Asthmaanfälle in der Vorgeschichte hatten oder keine inhalativen Steroide nehmen können, gibt es jetzt die Möglichkeit, oral Montelukast (Singulair®) zu verwenden.

Es könne zum Beispiel als eine Step-down-Therapie im Anschluß an die Therapie mit inhalativen Steroiden verwendet werden, sagte Professor Jürgen Seidenberg bei der 28. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in Frankfurt am Main.

Bei mittelgradigem Asthma komme außer einer Steigerung der Dosis des inhalierbaren Steroids auch eine Zusatz-Therapie mit Montelukast oder einem lang wirksamen Betamimetikum in Betracht, sagte der Pädiater aus Oldenburg bei einem Symposium des Unternehmens MSD.

Die wissenschaftliche Basis für die Zulassungserweiterung für Montelukast war die randomisierte Doppelblind-Studie MOSAIC (Montelukast Study of Asthma in Children) mit fast 1000 Kindern im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren. Sie wurden wegen ihres leichten persistierenden Asthmas entweder inhalativ mit zweimal 100 µg Fluticason oder oral mit einmal 5 mg Montelukast behandelt.

Wie Professor Ulrich Wahn aus Berlin berichtete, war der Hauptzielparameter die Zahl der Tage, an denen das Asthma gut unter Kontrolle war, also keine Notfallmedikation oder Notfallversorgung nötig war und keine Verschlechterung des Asthmas mit einem ungeplanten Arztbesuch aufgetreten war.

Das Ergebnis: Bei 84 Prozent der mit Montelukast und 87 Prozent der mit Fluticason behandelten Kinder war das Asthma gut unter Kontrolle; der Unterschied war statistisch nicht signifikant.

Professor Stefan Zielen von der Klinik für Kinderheilkunde der Universität Frankfurt am Main führte an, daß im ersten Lebensjahr vor allem eine durch RSV (Respiratory Syncytial Virus), aber auch durch andere Viren ausgelöste Bronchiolitis als Risikofaktor für Asthma bei Kindern gilt.

Die RSV-Bronchiolitis führt zu vermehrter Ausschüttung von Leukotrienen, und diese Leukotriene sind starke körpereigene Bronchokonstriktoren. Außerdem verstärken sie die Produktion anderer Entzündungsmediatoren.

Das sei die Rationale dafür, daß Kinderpneumologen beim Planen der Therapie Montelukast in Erwägung ziehen, so Zielen. Mit einer antientzündlichen Dauertherapie mit Montelukast läßt sich die Zeit bis zu einer Exazerbation verlängern - in der PREVIA (Prevention of Virally Induced Asthma)-Studie um 40 Prozent im Vergleich zu Placebo.

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