Ärzte Zeitung online, 08.06.2017

Diagnostik

Erhöhtes Komplikationsrisiko auch bei asymptomatischer COPD

Eine nicht erkannte COPD verschlechtert die gesundheitliche Prognose selbst dann, wenn die Patienten noch keine Beschwerden haben.

HERLEV. Vielfach wird eine COPD erst dann diagnostiziert, wenn die Patienten bereits massive Symptome haben. Dem entspricht der Befund einer in der Fachzeitschrift Lancet Respiratory Medicine publizierten dänischen Studie, wonach Morbidität und Mortalität schon vor der Diagnosestellung erhöht sind. Überraschenderweise gilt dies aber auch für Patienten mit noch asymptomatischer COPD (dx.doi.org/10.1016/S2213-2600(17) 30119-4).

In die Studie waren 32.518 Teilnehmer der Copenhagen General Population Study einbezogen, die als stark COPD-gefährdet eingestuft wurden, weil sie über 40 Jahre alt waren und mindestens zehn Jahre lang täglich eine Schachtel Zigaretten geraucht hatten. Das Spirometrie-Screening wies bei 3699 (11,9%) von ihnen eine COPD nach, definiert durch ein FEV1/FVC < 70% und ein FEV1 < 80% vom Soll. Bei 78% dieser Patienten war die COPD zuvor nicht bekannt gewesen, obwohl 71% zusätzlich zur Raucheranamnese auch einschlägige Symptome hatten, am häufigsten Atemnot. Darüber hinaus war bei einigen Patienten – 5% aus der Gruppe ohne und 13% aus der mit Symptomen – der Atemfluss bereits stark eingeschränkt mit einer FEV1 < 50% vom Soll.

Erhöhte Morbidität und Mortalität

Symptomatische Patienten mit unerkannter COPD hatten während der sechsjährigen Beobachtungszeit verglichen mit COPD-freien Rauchern ein 15,5- bzw. 2,8-mal so hohes Risiko für Exazerbationen und Pneumonien, die eine Behandlung in einer Notfallambulanz oder einem Krankenhaus nach sich zogen. Bei beschwerdefreien COPD-Patienten traten diese Ereignisse 5,0- bzw. 1,7-mal so häufig auf wie in der Kontrollgruppe.

Patienten mit Symptomen waren darüber hinaus stärker gefährdet, an einer respiratorischen Erkrankung zu sterben; das Risiko war gegenüber der Vergleichsgruppe um den Faktor 4,3 erhöht. Bei asymptomatischen Patienten bestand dagegen keine erhöhte respiratorische Mortalität. Todesfälle jedweder Ursache waren dagegen in beiden Gruppen häufiger als ohne COPD, der Risikozuwachs betrug 100% mit und 30% ohne Symptome.

Spirometrie für alle langjährigen Raucher?

Die hohe Quote von nicht diagnostizierten COPD-Patienten deckt sich nach Angaben der Studienautoren um Yunus Çolak (Universität Kopenhagen) mit Zahlen in der Literatur. Als Hauptursache der Unterdiagnostik sehen sie den zu seltenen Gebrauch der Spirometrie in den Hausarztpraxen. Hinzu komme, dass einige Patienten trotz Symptomen keinen Arzt aufsuchen oder beim Arzt keine Beschwerden angeben würden.

Größer als in früheren Studien ist dagegen mit fast 30% der Anteil an Patienten, deren COPD offenbar auch deswegen nicht erkannt wurde, weil sie noch keine Beschwerden verursacht hatte. Da die Langzeit-Morbidität dieser Patienten ebenfalls erhöht war, plädieren die Studienautoren dafür, den Nutzen eines Spirometriescreenings für langjährige Raucher zu prüfen. (bs)

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