Ärzte Zeitung, 18.05.2010

Rotes Auge nur auf einer Seite - das ist nicht immer harmlos!

Bei chronischer Bindehautrötung unklarer Ursache auf nur einer Seite und mit Bulbusprotrusion sollte unbedingt an eine Sinus-cavernosus-Fistel gedacht werden. Es drohen schwere funktionelle Schäden.

Von Thomas Meißner

Rotes Auge nur auf einer Seite - das ist nicht immer harmlos!

Rotes Auge einseitig: Dafür kann eine Sinus-cavernosus-Fistel die Ursache sein. © T. Landmann / C. Charisius

PULHEIM-DANSWEILER. "Konjunktivitiden betreffen stets beide Augen", betonen Dr. Thomas Landmann und Dr. Christoph Charisius aus Pulheim-Dansweiler in der "Münchner Medizinischen Wochenschrift" (2009; 42:5). Die "einseitige Konjunktivitis" gehöre zu den häufigsten Fehldiagnosen.

Die niedergelassenen Kollegen verweisen auf ihre Erfahrungen mit einer 67-jährigen, bis dahin gesunden Frau, die seit einem Monat über frontal betonte Kopfschmerzen geklagt hatte, verbunden mit einem Druckgefühl am linken Auge und einer zunehmenden Rötung der Bindehaut. Hinzu kamen dann eine leichte Ptosis, Strabismus sowie das Gefühl eines pulsierenden Exophthalmus.

Internistische, HNO-ärztliche, zahnmedizinische, ophthalmologische sowie auch neurologische diagnostische Schritte inklusive einer kraniellen Computertomographie waren ergebnislos verlaufen. Eine solche Odyssee der Patienten, häufig über Monate, ist typisch, und wird auch von anderen Autoren beschrieben. Letztlich veranlasste ein weiterer Augenarzt bei der Patientin eine MR-Angiographie, die schließlich die Diagnose einer Sinus-cavernosus-Fistel (Synonym: Carotis-Sinus-cavernosus-Fistel) ergab.

Dabei handelt es sich um einen arteriovenösen Shunt zwischen der Arteria carotis interna, die durch den Sinus cavernosus hindurch verläuft, oder der A. carotis externa und dem schwammartigen Venengeflecht beidseits der Sella turcica. Bei den meisten der Betroffenen handelt es sich um die Folgen einer Schädelbasisfraktur (direkte Fisteln). Indirekte Fisteln kommen spontan vor. Folgen sind einerseits die venöse Abflussstörung aufgrund der Blutflussumkehr sowie eine arterielle Minderdurchblutung.

Klinisch resultiert dies in erweiterten episkleralen Venen, einem Bindehautödem und dem pulsierenden Exophthalmus, wie ihn die Patientin beschrieben hatte. Da mehrere Hirnnerven in unmittelbarer Nähe des Sinus cavernosus verlaufen, sind dementsprechend auch Augenmuskellähmungen und Sehstörungen zu erwarten.

Die Komplikationsmöglichkeiten reichen vom Glaukom und ischämisch bedingten Hirnfunktionsausfällen bis hin zu zerebralen Thrombosen. Bei verzögerter Behandlung können irreversible Funktionsdefizite bleiben.

Im Allgemeinen erfolgt die endovaskuläre Embolisation des Shunts, seltener der mikroneurochirurgische Fistelverschluss. Danach bilden sich bei rechtzeitigem Eingreifen die Symptome zurück.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Die Malaria-Gefahr wächst

Weltweit steigen Erkrankungszahlen an Malaria seit zwei Jahren wieder. Es trifft nicht nur Kinder in Entwicklungsländern, sondern auch Reisende aus Deutschland. mehr »

Kein Frühstück = höheres Diabetes-Risiko

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko für Diabetes. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Gutachter schlagen neuen Pflege-TÜV vor

Weg mit den umstrittenen Pflegenoten, ist das Ziel eines neuen Pflege-TÜVs. Im Mittelpunkt soll nicht mehr die Dokumentation stehen, sondern die Ergebnisqualität stehen. mehr »