Ärzte Zeitung, 25.08.2006

Befragungen bestätigen den Alltagsnutzen von Antidementiva

Pflegende Angehörige sollten bei Beurteilung des Nutzens gehört werden

FRANKFURT AM MAIN (ner). Antidementiva werden von zwei Drittel der Alzheimer-Patienten und ihren Angehörigen als effektiv eingeschätzt. Entscheidend für das Urteil sind vor allem positive Auswirkungen auf die Lebensqualität.

Patientinnen mit Demenz. Wird die Progression der Erkrankung verzögert, wird die Lebensqualität besser beurteilt. Foto: Claudia Thoelen

Bei Demenz sei die Lebensqualität schwierig einzuschätzen, sagte Professor Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Denn es handele sich um eine komplexe Symptomatik. Die Patienten könnten sich allenfalls eingeschränkt selbst beurteilen, und geeignete Skalen zur Messung der Lebensqualität bei Demenz fehlten.

Der Alltagsnutzen von Antidementiva wie Donepezil (Aricept®), die den Krankheitsverlauf verzögern, werde jedoch durch Ergebnisse von umfangreichen Befragungen von Alzheimer-Kranken und deren Angehörigen gestützt, sagte der Psychiater bei einer Veranstaltung von Eisai und Pfizer in Frankfurt am Main.

Frölich zitierte erste Ergebnisse einer Befragung von 166 Alzheimer-Patienten und 299 Angehörigen durch die Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg und durch das Kompetenznetz Demenzen. Gefragt worden war, welche Faktoren die Lebensqualität der betreuenden Angehörigen und der Erkrankten beeinflussen.

Dabei kam heraus, daß vor allem die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufes bedeutend ist: Wenn die Demenz-Erkrankung nur langsam voranschreitet, wird die Lebensqualität als höher bewertet als bei Patienten mit schneller Progression. Einen starken Einfluß auf die Lebensqualität haben auch die kognitive Fähigkeiten, Alltagsaktivitäten und Depressionen.

Ähnliche Befragungen bei mehr als 4000 Patienten und Angehörigen in Australien sowie bei 1200 Teilnehmern in Großbritannien haben ergeben, daß etwa zwei Drittel der Befragten die medikamentöse Behandlung als effektiv beschreiben. Frölich äußerte daher kein Verständnis für die Diskussionen um den Nutzen von Antidementiva.

"Der Nutzen von Arzneimitteln ist nicht definiert", sagte er. Die Beurteilung des Nutzens sei ein medizinisches Werturteil. Die Relevanz für die Patienten könne aber nicht einfach bestimmt werden. Im Zentrum wissenschaftlicher Studien und politischer Entscheidungen sollte die Meinung von Patienten und vor allem die der pflegenden Angehörigen stehen, sagte Frölich.

Die Alzheimer-Gesellschaft im Web: www.deutsche-alzheimer.de

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