Ärzte Zeitung, 05.12.2007

Schon bald können Hausärzte einen Bluttest auf M. Alzheimer machen

Diagnose Jahre vor ersten Symptomen / Liquor-basierte Tests gibt es schon heute

BERLIN (ugr). In den nächsten fünf Jahren werden blutbasierte Tests zur Früherkennung von Demenzen erwartet. Schon in der Hausarztpraxis gäbe es so erste Fingerzeige auf eine mögliche degenerative Erkrankung. Derzeit sind neurochemische Tests bereits im Liquor möglich.

Schon heute sind neurobiologische Diagnoseverfahren, die Jahre vor den ersten klinischen Symptomen auf eine mögliche Alzheimer Demenz hinweisen, verfügbar. Darauf hat Professor Jens Wiltfang vom Uniklinikum Erlangen beim Psychiatrie-Kongress in Berlin hingewiesen. Die neurochemische Demenzdiagnostik (NDD) wird in spezialisierten Zentren bereits routinemäßig angewandt.

Zu den Liquor-basierten Demenzbiomarkern gehören: Beta-Amyloid-Peptide, Gesamt-Tau (Tau) und hyperphosphorylierte Tau-Proteine (Phospho-Tau). Der Beginn einer Alzheimer-Erkrankung bei Patienten mit leichten kognitiven Störungen (Mild Cognitive Impairment, MCI) ist sehr wahrscheinlich, wenn der Quotient von Beta-Amyloid 42 und Beta-Amyloid 40 erniedrigt ist und zugleich die Werte von Tau und Phospho-Tau erhöht sind.

Die Biomarker würden in Kürze als unterstützendes diagnostisches Merkmal Aufnahme in nationale und internationale Leitlinien finden. Angesichts der voranschreitenden Entwicklung kausal orientierter Therapieformen sei dies besonders für Patienten im präklinischen Stadium einer Demenz bedeutend. "Bereits vier bis sieben Jahre vor Ausbruch der Erkrankung kann ein charakteristisches Biomarkerprofil im Liquor angezeigt werden", so Wiltfang.

Bei Patienten mit einem solchen "biochemischen Fingerabdruck" im Liquor habe man übereinstimmende Hinweise auch in Blutproben erhalten, sagte Wiltfang. Inzwischen werden blutbasierte Biomarker in den USA in größeren Studien getestet. In den nächsten fünf Jahren rechnet der Erlanger Psychiater mit der Einführung solcher Bluttests auch in Deutschland. Angesichts der Komplexität der Erkrankung sei eine weitergehende Diagnostik, etwa mit bildgebenden und molekularbiologischen Verfahren, aber in jedem Fall notwendig.

Von dem neuen Wissen könnten MCI-Patienten profitieren, so Wiltfang. Er erinnerte daran, dass jährlich 15 Prozent der MCI-Patienten eine Demenz entwickeln. "Es liegen bereits aufschlussreiche Daten vor, nach denen sich mit Sportprogrammen, Kognitionstraining und einer bestimmten Ernährung der Ausbruch der Erkrankung oft hinauszögern lässt."

Kongress-Infos unter www.dgppn-kongress.de

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