Ärzte Zeitung, 04.06.2009

Kommentar

Die Angst der Ärzte vor der Diagnose

Von Thomas Müller

Zwei Faktoren werden künftig für eine steigende Zahl von Alzheimerkranken sorgen: Der Anteil der alten Menschen in unserer Gesellschaft nimmt zu, und einzelne Menschen erreichen ein zunehmend höheres Alter. Obwohl diese Faktoren gut bekannt sind, fehlen noch immer klare Konzepte, wie mit dem erwarteten Ansturm von Demenzkranken auf Haus- und Facharztpraxen umzugehen ist. Kein Wunder, dass sich Ärzte mit dem Problem alleine gelassen fühlen und - die budgetären und zeitlichen Belastungen vor Auge - oft lange zögern, die korrekte Diagnose zu stellen.

Politische Drohungen ob steigender Medikamentenkosten und die fehlende Bereitschaft von Kassen, neue Diagnosetechniken wie PET oder Liquor- analyse zu bezahlen, tragen ein Übriges dazu bei, Ärzte bei der Diagnose zu verunsichern. Dies ist ganz im Sinne einer Gesellschaft, die sich weiterhin weigert, die medizinischen Probleme einer alternden Gesellschaft ernst zu nehmen.

Dabei hat eine frühe und korrekte Alzheimer-Diagnose viele Vorteile: Den Betroffenen bleibt mehr Zeit, ihre Angelegenheiten zu regeln, und eine rechtzeitige antidementive Therapie kann die Aufnahme in ein Pflegeheim verzögern. Dass dies wiederum Geld spart, hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen.

Lesen Sie dazu auch:
"Alzheimer-Diagnose fällt Ärzten oft schwer"

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »