Medica Aktuell, 19.11.2010

Froschgift-Derivat spürt Alzheimer früh auf

Mit einem neuen PETBiomarker wollen Forscher der Uni Leipzig eine Alzheimer-Erkrankung schon sehr früh nachweisen - möglicherweise bereits zu Beginn der Symptome.

Von Thomas Müller

Froschgift-Derivat spürt Alzheimer schon früh auf

Professor Osama Sabri zeigt erste Bilder mit einem neuen PET-Marker.

© mut

Um eine Alzheimer-Erkrankung zu stoppen, müssten Therapien in einem viel früheren Stadium beginnen, als dies heute der Fall ist - darin sind sich die meisten Experten einig. Allerdings kann man Alzheimer bisher erst dann zuverlässig diagnostizieren, wenn die Patienten schon deutliche Symptome haben.

Dies könnte sich bald ändern: Auf der Medica Vision haben Forscher um Professor Osama Sabri vom Uniklinikum Leipzig einen neuen PET-Biomarker vorgestellt, der an nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren bindet.

Diese werden schon früh im Laufe der Erkrankung durch lösliches Beta-Amyloid herunterreguliert, und zwar bevor sich die typischen Beta-Amyloid-Plaques bilden. Ein PET-Marker für diese Rezeptoren sollte daher wesentlich früher Alzheimer aufspüren als etwas das Beta-Amyloid-PET, das seit Kurzem zur Verfügung steht.

Eine Analyse der nikotinergen Rezeptoren wäre zwar bisher schon mit 18F-PET-Tracern möglich, so Sabri, doch die Scandauer würde sieben Stunden betragen. Die Leipziger Forscher haben nun aus dem Froschgift Epibatidin ein ungiftiges Derivat hergestellt (NCFHEB, Norchlor-Fluor-Homo-Epibatidin), das spezifisch an nikotinerge α4β-Rezeptoren bindet.

Die Vorteile: Die Substanz ist der bislang stabilste PET-Marker in der Neurologie - selbst nach Stunden wird sie kaum abgebaut, und ein Scan damit dauert nur 15 Minuten.

Sabri zeigte auf der Medica erste Scans von vier Menschen mit Alzheimer und zwei Gesunden: Bei gesunden Menschen sind die nikotinergen α4β-Rezeptoren praktisch im ganzen Gehirn in hoher Konzentration vorhanden, das PET-Signal ist entsprechend stark. Dagegen ist es bei Alzheimer deutlich reduziert.

Wie gut und früh der Marker Alzheimer erkennt, wird nun in größeren Studien geprüft. Sabri ist aufgrund der ersten Daten aber optimistisch, dass er deutlich sensitiver ist als vorhandene PET-Methoden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

Vergessen Sie keine Labor-Kennnummer!

Mit der Laborreform haben sich Änderungen bei den Ausnahmekennnummern ergeben. Um nicht den Wirtschaftlichkeitsbonus zu gefährden, sollten Sie die neuen Regeln kennen - und insbesondere auf drei Punkte achten. mehr »

Ärzte wehren sich gegen Mehrarbeit für lau

Etwas mehr Geld für Hausbesuche, aber kaum mehr für die Ausweitung der Mindestsprechstunden - das bieten die Kassen an. Die Ärzte gehen auf die Barrikaden. mehr »