Ärzte Zeitung, 09.05.2005

Oft fallen Diabetiker erst in der kardiologischen Notaufnahme auf

Bei frühzeitiger Erkennung ließe sich Folgeschäden am Herzen vorbeugen

BERLIN (mar). Patienten mit Typ-2-Diabetes haben bekanntlich im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein um ein Vielfaches erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Wichtig sind daher eine frühe Diagnose der Stoffwechselerkrankung - möglichst schon im Stadium des Prädiabetes - sowie suffiziente blutzuckersenkende Maßnahmen wie Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung und vermehrter körperlicher Aktivität und, wenn dies nicht ausreicht, medikamentöse Therapie.

Eine gute Therapie für Patienten mit Diabetes mellitus bedeutet auch Schutz für ihre Herzen vor vaskulären Folgeschäden. Foto: Photodisc

Doch wird bei vielen Patienten ein Typ-2-Diabetes immer noch zu spät diagnostiziert: wenn es bereits zu kardiovaskulären Ereignissen gekommen ist.

In diesem Zusammenhang hat beim Deutschen Diabetes-Kongreß in Berlin Professor Oliver Schnell vom Institut für Diabetesforschung in München an die Ergebnisse des Euro Heart Survey erinnert. Hier wurde bei vielen Patienten, die wegen eines akuten Koronarsyndroms oder einer KHK in die Klinik kamen, erstmals eine Störung des Glukosestoffwechsels festgestellt.

Von den Patienten mit akutem Koronarsyndrom war bei 20 Prozent ein Diabetes und bei 30 Prozent eine IGT (verminderte Glukosetoleranz, Prädiabetes) neu entdeckt worden. Bei den KHK-Patienten wurde bei 26 Prozent eine IGT und bei neun Prozent ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert.

Diese Daten bestätigt auch das Schwabinger Herzinfarktregister. Hier betrage der Anteil der Diabetiker unter den Infarktpatienten etwa 40 Prozent, so Schnell. Daß eine wirksame Prävention kardiovaskulärer Ereignisse bereits bei Patienten mit Prädiabetes sinnvoll ist, sei in der STOP-NIDDM-Studie deutlich geworden.

Hier führte die blutzuckersenkende Therapie mit Acarbose im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einem deutlich geringeren Rate kardiovaskulärer Ereignisse. Bei Diabetikern sei schon in der UKPDS-Studie nachgewiesen worden, daß sich durch die Therapie mit Metformin (als Monotherapie oder in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff) eine um 32 Prozent verminderte Rate aller diabetes-bezogenen Ereignisse erreichen läßt und Rate der kardiovaskulären Tode um 42 Prozent vermindert ist.

Typ-2-Diabetiker mit stabiler KHK können mit oralen Antidiabetika oder Insulin behandelt werden. Patienten nach Stent-Implantation profitieren möglicherweise von einem Glitazon besonders. Nach Daten zu Pioglitazon bei Nicht-Diabetikern wird die Bildung von Plaques im Stent und den Gefäßen vermindert.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Der Transgender-Trend

Paradigmenwechsel? Transsexuelle lassen sich sogar selbstbewusst für den "Playboy" ablichten. Psychiater warnen aber vor einem Geschlechtsdysphorie-Hype unter Jugendlichen. mehr »

Deshalb gibt's immer mehr Parkinsonkranke

Die absolute Zahl der weltweiten Parkinsonkranken hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Forscher haben eine Vermutung, warum der Anstieg in manchen Ländern so stark ist. mehr »

Ex-AOK-Chef will Zwergkassen abschaffen

Zentrenbildung bei Kliniken fordern, aber mit Zwergkassen arbeiten? Der frühere AOK-Chef Wilfried Jacobs plädiert für eine Konsolidierung bei Kassen. mehr »