Ärzte Zeitung, 20.06.2006

Mit Inkretin-Mimetikum gibt es kein Hypoglykämie-Risiko

Glukoseabhängige Blutzuckersenkung / Kombitherapie für Typ-2-Diabetiker

WASHINGTON (ej). Exenatid, dessen Zulassung für Europa 2007 erwartet wird, ist ein Antidiabetikum ohne eigenes Hypoglykämie-Risiko. Der Wirkstoff senkt glukoseabhängig den Blutzucker und könnte bei Typ-2-Diabetes ein idealer Kombinationspartner zu einem Thiazolidindion wie Pioglitazon sein.

Blutzuckermessung. Werden aus Angst vor Hypoglykämien die Blutglukose-Werte nicht genügend gesenkt, könnte ein Inkretin-Mimetikum ein Ausweg sein. Foto: sbra

Darauf wies Professor Bernard Zinman vom Mount Sinai Hospital in Toronto hin. Wenn die Furcht vor Hypoglykämien eine bessere Blutzuckereinstellung verhindert, könnte das Inkretin-Mimetikum Exenatid, das in den USA bereits als Byetta® zugelassen ist, das Problem lösen: Das Inkretin-Mimetikum wirkt wie GLP-1 (Glucagon Like Peptide-1) glukoseabhängig insulinotrop. "Das Hypoglykämie-Risiko von Exenatid liegt trotz Senkung des HbA1c auf Placeboniveau", betonte Zinman bei einer Veranstaltung des Unternehmens Lilly beim US-amerikanischen Diabeteskongreß ADA.

Wie effizient Exenatid die Blutzuckereinstellung verbessert, belegten Daten einer randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie mit 233 Typ-2-Diabetikern. Die Studienteilnehmer waren im Mittel 56 Jahre, hatten einen BMI von 34 kg/m2 und einen HbA1c von 7,9 Prozent.

20 Prozent der Patienten erhielten zusätzlich zu Thiazolidindion und 80 Prozent zusätzlich zu Metformin plus Thiazolidindion zweimal täglich subkutan fünf Mikrogramm Exenatid in den ersten vier Wochen, danach zehn Mikrogramm oder ein Placebo. Dabei zeigte sich nach 16 Wochen, daß die Therapie mit Exenatid zu einer Senkung des HbA1c um 0,8 Prozent führte.

Bei den Patienten der Kontrollgruppe nahm der Wert aber um 0,1 Prozent zu. Darüber hinaus wiesen die Sieben-Punkt-Blutzuckertagesprofile auf eine signifikante Reduktion der mittleren Glukosewerte ohne Hypoglykämie-Risiko bei der Behandlung mit Exenatid hin .

"Hinzu kommt, daß die Exenatid-Patienten im Mittel 1,5 kg Körpergewicht verloren, die der Kontrollgruppe nur 0,2 kg" so Zinman. Dies bestätigt frühere Studiendaten, in denen mit dem Inkretin-Mimetikum in der Kombination mit Metformin oder Metformin plus Sulfonylharnstoff ebenfalls eine kontinuierliche Gewichtsreduktion mit besserer Blutzuckereinstellung erreicht wurden.

Wie man inzwischen weiß, beruht dieser Effekt darauf, daß Inkretin-Mimetika nicht nur insulinotrop wirken, sondern auch die Glukagonsekretion unterdrücken und die Magenentleerung verzögern sowie den Appetit hemmen können.

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