Direkt zum Inhaltsbereich

Antidepressive Therapie hilft oft mehr als zusätzliche Antidiabetika

Diabetiker bekommen viel häufiger Depressionen als Nicht-Diabetiker. Betroffenen fällt es besonders schwer, die Erfordernisse der Therapie einzuhalten.

Veröffentlicht:
Traurig und verzweifelt: Für depressive Diabetiker sind Medikamente, Diätvorschriften und Bewegungsprogramme oft zweitrangig.

Traurig und verzweifelt: Für depressive Diabetiker sind Medikamente, Diätvorschriften und Bewegungsprogramme oft zweitrangig.

© Foto: ollyfotolia.de

In der Praxis werden leider nur 25 bis 50 Prozent der Diabetes-Patienten mit Depressionen erkannt, so Professor Norbert Herrmanns vom Forschungsinstitut Diabetes Akademie in Bad Mergentheim (Der Diabetologe 5, 2009, 38). Nach seinen Angaben erkranken Patienten mit Diabetes etwa doppelt so häufig an einer Depression wie Nicht-Diabetiker.

Ebenso belegen Studiendaten, dass depressive Diabetes-Patienten eine schlechtere Prognose haben als Diabetespatienten ohne Depression. Betroffene haben häufig eine schlechtere glykämische Kontrolle, und ihr Risiko, eine Folgekrankheit von Diabetes zu bekommen, steigt mit zunehmender Schwere der Depression an. Nach Studiendaten ist bei Diabetikern mit Depressionen die Sterberate zwei- bis dreimal höher im Vergleich zu gleichaltrigen nichtdepressiven Diabetikern.

Hinweise darauf, warum depressive Diabetiker eine vergleichsweise schlechte Prognose haben, hat eine Metaanalyse von 47 Studien mit 17 319 Patienten ergeben (Diabetes Care 31, 2008, 2398). Dabei wurde der Zusammenhang zwischen der Depressivität und der Qualität der Selbstbehandlung analysiert. Besonders deutlich war dabei der Zusammenhang zwischen einer erhöhten Depressivität und der Nichteinhaltung von Arztterminen.

Je stärker ausgeprägt die Depression war, desto weniger befolgten Patienten eine angemessene Diät, desto seltener hielten sie sich an Bewegungsratschläge oder nahmen ihre Medikamente ein und desto seltener waren Blutzuckerselbstkontrollen. Das Fazit: Depressiven Menschen mit Diabetes fällt es eindeutig schwerer, ihre Diabetestherapie angemessen selbstständig zu regeln. Dies erklärt auch die vergleichsweise schlechten Therapieergebnisse.

"Bei Diabetespatienten, bei denen trotz optimierter Therapie und ausreichendem Kenntnisstand über die Erkrankung und deren Therapie nur unzureichende Behandlungsergebnisse erzielt werden, sollte man häufiger das Vorliegen einer subklinischen oder sogar klinischen depressiven Störung in Betracht ziehen", betont Herrmanns. Ein verbessertes Management von depressiven Störungen in der Praxis kann bei diesen Patienten eine nachhaltigere Verbesserung des Behandlungserfolges herbeiführen als so manche weitere Therapieeskalation.

Ein erster Schritt für ein verbessertes Management von Depressionen bei Diabetespatienten ist das regelmäßige Monitoring der allgemeinen Befindlichkeit durch den im Diabetikerpass integrierten WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden. (eb)

Lesen Sie dazu auch: Patienten profitieren von Sitagliptin-Kombitherapie Kostenanalyse spricht für langwirksa mes Insulin-Analogon "Der Start der Insulintherapie ist individuell festzulegen"

Lesen Sie dazu kurz notiert: Liraglutid senkt den Blutzucker effektiv Apidra® SoloSTAR® jetzt auch in den USA zugelassen Insulin bewahrt kritisch kranke Kinder vor Schäden Nagellack hilft Diabetikern mit Onychomykose Welt-Kongress zu Diabetes im Oktober in Montreal

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Lesetipps
Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen