Ärzte Zeitung, 27.04.2011

Alter toppt Jugend beim Erkennen junger Diabetiker

Studie bestätigt: Diagnostisches Gespür hängt stark von der Erfahrung ab

WITTEN (eis). Der Weg zur Diagnose eines Diabetes hängt vom Alter ab - vom Alter des Patienten, aber auch vom Alter und von der Erfahrung des Arztes. Bei älteren Patienten mit Diabetes-Symptomen wird zum Beispiel öfter auch mal an ein Malignom gedacht, bei jüngeren an psychosoziale Störungen.

Alter toppt Jugend beim Erkennen junger Diabetiker

Die Anamnese gibt oft Hinweise auf Diabetes.

© tabato / imagesource.com

Wie Alter, Geschlecht oder andere Kennzeichen eines Patienten die Entscheidungen für eine weiterführende Diagnostik beeinflussen, haben Forscher um Dr. Werner de Cruppé von der Uni Witten/Herdecke untersucht (DMW 2011; 136: 359).

Sie stellten dabei 64 Hausärzten (Männer, Frauen, kürzer als 5 Jahre oder mehr als 15 Jahre niedergelassen) jeweils ein Video eines gestellten Patientengesprächs vor. Die Patienten variierten dabei nach Alter (35 oder 65 Jahre), Geschlecht und Sozialstatus.

Die Angaben waren immer gleich: oft müde, verstärkter Durst, vermehrtes Wasserlassen, moderates Übergewicht, unbeabsichtigte leichte Gewichtsabnahme, etwa sechs Monate Symptome.

61 Prozent der Ärzte dachten an Diabetes

Ergebnis: 61 Prozent der Ärzte stellten die Verdachtsdiagnose Diabetes, aber nur bei 44 Prozent der älteren und bei 31 Prozent der jüngeren Patienten würden sie sofort Nüchternblutzucker oder HbA1c bestimmen. Deutlich verschieden: Ärzte mit langer Berufserfahrung erwogen bei 81 Prozent der jungen Patienten gleich auch eine mögliche Diabeteserkrankung, bei Ärzten mit kurzer Berufsdauer waren dies nur 31 Prozent.

Die Chance auf eine richtige Diagnose war jedoch gegeben. Alle Ärzte würden die Patienten erneut einbestellen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »