Diabetes

12 ausgewählte Kurse, 28 Punkte: In der Sommerakademie von Springer Medizin können Sie schnell und effizient CME-Punkte für Ihre hausärztliche Fortbildung sammeln. Zur Teilnahme benötigen Sie das Fortbildungspaket. Sie erhalten damit 60 Tage Zugriff auf die Sommerakademie zum Preis von nur 29 €: www.springermedizin.de/cme-sommerakademie-teilnehmen
Modul: Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2

Ärzte Zeitung online, 07.08.2012

Diabetes

Bleivergiftung durch Ayurveda

Viele Patienten halten pflanzliche Arzneimittel für nebenwirkungsfrei. Deshalb erwähnen sie die Einnahme oft nicht. Wichtig ist eine gezielte Nachfrage, wie der Fall eines Diabetikers in den USA zeigt.

Bleivergiftung durch Ayurveda-Therapie

Ayurveda-Küche in Sri Lanka: Viel Blei.

© ARCO IMAGES / imago

NEW YORK (St). In der Notaufnahme eines New Yorker Krankenhauses erschien ein 56-jähriger Mann mit unklarem Abdominalschmerz, der seit drei Monaten bestand (Am J Med 2012, online 16. Juli).

Er nahm nur wenig Nahrung zu sich und klagte über Obstipation. Alle bildgebenden Untersuchungen waren unauffällig. Sein Hämoglobin war innerhalb eines Jahres von 14,0 auf 9,7 g/dl gefallen. Die Anämie war normozytär, die Leberwerte leicht erhöht.

Im Differenzialblutbild fiel eine basophile Tüpfelung der Erythrozyten auf, die die Ärzte zur Bestimmung des Bleigehalts im Blut veranlasste.

Dieser war mit 101 µg/dl stark erhöht (ein Wert unter 20 µg/dl gilt als unbelastet, ein Wert über 100 µg/dl bei Männern fällt in den potenziell toxischen Bereich und erfordert weitere Abklärung). Auch die Porphyrine im Urin waren erhöht.

Auf Nachfrage erzählte der Patient, er sei drei Monate zuvor in Indien gewesen, wo ihm eine ayurvedische Medizin für seinen Diabetes verordnet worden war, die er seitdem täglich einnahm. Die chemische Analyse des ayurvedischen Pulvers ergab einen Bleigehalt von 62 Prozent.

Aus verschiedenen Fallberichten ist bekannt, dass ayurvedische Zubereitungen große Mengen an Schwermetallen enthalten können. Blei wird als Aphrodisiakum betrachtet und soll dabei helfen, möglichen Potenzproblemen von Diabetikern zu begegnen.

Nach einer Chelationstherapie mit oralem Dimercaprol und Kalzium-EDTA wurde der Patienten entlassen und sollte noch für zwei Wochen den Chelatbildner Succimer einnehmen.

Veränderungen bei Bleiintoxikation

Die sich entwickelnde Anämie ist eine Folge der Hemmung zweier wichtiger Enzyme der Porphyrinsynthese. Koliken und Obstipation werden der verminderten präganglionären Acetylcholinfreisetzung und der intestinalen Na+/K+-ATPase-Hemmung zugeschrieben, die den Wasserhaushalt durcheinanderbringt.

Die Neuropathie entsteht durch die Zerstörung der Schwann'schen Zellen, die sich in Form von segmentaler Demyelinisierung und Axondegeneration fortsetzt.

Als Ursache der charakteristischen basophilen Tüpfelung im gefärbten Blutausstrich wird die bleibedingte Hemmung der Pyrimidin-5‘-Nucleotidase in den Erythrozyten vermutet.

Die Autoren betonen, dass viel mehr Aufklärung notwendig ist, sowohl für die Anwender alternativer Behandlungsformen, als auch für diejenigen, die die Methoden unters Volk bringen.

Der vorliegende Fall mache deutlich, wie wichtig die umfassende Anamnese sowie die genaue Kenntnis aller eingenommenen Medikamente sei.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Sauerbruch – ein Arzt mit vielen Facetten

Er war bereits zu Lebzeiten ein berühmter Arzt. Das Medizinhistorische Museum der Charité versucht, die vielen Facetten im Leben und Wirken von Ferdinand Sauerbruch zu fassen. mehr »

Gut eine halbe Milliarde Euro mehr Honorar

Ärzte und Krankenkassen haben ihre Honorarverhandlungen für 2020 abgeschlossen. Künftig werden Videosprechstunden besser vergütet. mehr »

Zeitdruck und Kollegen stressen im Büro

Im Vergleich zu den USA oder Japan sind die Arbeitszeiten in Deutschland eher kurz. Doch das heißt nicht, dass es am Arbeitsplatz entspannt zugeht. mehr »