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Diabetes

Fachgesellschaft nimmt die Familien in den Blick

Etwa jeder zweite Typ-2-Diabetiker hat einen Angehörigen, der ebenfalls an der Erkrankung leidet. Die Diabetes-Gesellschaft rückt daher die Familien in den Mittelpunkt, um die Behandlung zu verbessern.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:

BERLIN. Diabetes gehört zu jenen Erkrankungen, die in Familien gehäuft vorkommen. Leidet ein Elternteil an Typ-2-Diabetes, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder im Verlauf ihres Lebens ebenfalls daran erkranken, bei 50 Prozent. Beim Typ-1-Diabetes ist bei 15 Prozent der Diagnosen eine familiäre Häufung festzustellen.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rückt bei der Diabetes-Behandlung daher die Familien verstärkt in den Blick. Unter dem Motto "Diabetes und Familie: Vorbeugen – Erkennen –Entlasten" tagt die Fachgesellschaft vom 11. bis 12. November in Nürnberg.

Diskutiert werden sollen neue Strategien, wie der Diabetes als Familienkrankheit frühzeitiger als bisher erkannt und besser behandelt werden kann, wie am Donnerstag in Berlin angekündigt wurde.

Lebensstil kann Diabetes auslösen

"Für das erhöhte Risiko sind nicht nur die Gene, sondern der jeweilige Lebensstil ursächlich", betonte Professor Klaus Badenhoop, Tagungspräsident und Leiter der Endokrinologie am Uniklinikum Frankfurt/Main.

Die DDG will diesem Phänomen entgegenarbeiten. Künftig sollen Familien mit neuen Schulungskonzepten besser aufgeklärt werden. "Sie müssen die Ursachen von Diabetes besser verstehen und gemeinsam leichter bewältigen können", sagte Badenhoop.

Mithilfe einer Risikoanalyse sollen die Lebensgewohnheiten gezielt geändert werden können. Zudem sollen auch angemessene Notfall-Reaktionen erlernt werden.

Gemeinsam mit anderen Verbänden, unter anderen der Deutschen Diabetes-Hilfe und dem Bundesverband Niedergelassener Diabetologen, hat die DDG zudem das Strategiepapier "Diabetologie 2025" erarbeitet. Zehn Handlungsfehler für eine gelingende Diabetes-Behandlung sind darin definiert.

Komplexes Leiden

"Alle Beteiligten müssen akzeptieren, dass Diabetes derart komplex ist und daher von einem Spezialisten behandelt werden muss", betonte Dirk Müller-Wieland, DDG-Vizepräsident und Professor am Uniklinikum Aachen.

Insbesondere Hausärzte, aber auch Notfallmediziner seien intensiver zu der Stoffwechselerkrankung aufzuklären. Müller-Wieland forderte die Politik auch dazu auf, "adipogene Lebensmittel höher zu besteuern".

Ein zentrales Problem in der Diabetes-Versorgung zeigt sich am Übergang aus der Jugend- in die Erwachsenenmedizin. So hätten die betroffenen Jugendliche ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Unterzuckerung oder eine lebensbedrohliche Ketoazidose zu erleiden.

Dies liegt, so Professor Bernhard Kulzer vom Diabetes-Zentrum Bad Mergentheim, daran, dass junge Erwachsene mit Diabetes sich ähnlich riskant verhalten wie gesunde Gleichaltrige. Zudem fehle ihnen häufig eine enge medizinische Begleitung.

Bis zum 18. Lebensjahr haben sie in der Regel einen Pädiater an der Seite, der ganzheitlich und familienfokussiert arbeitet. Die Erwachsenenmedizin erwarte hingegen viel Selbstmanagement vom Patienten, über die diese in der Entwicklungsphase noch gar nicht verfügen.

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