Ärzte Zeitung online, 07.12.2017

Ernährungs-Therapie

Diabetes in Remission mit intensiver Gewichtsreduktion

Ein intensives Programm zur Gewichtsreduktion bringt Typ-2-Diabetiker in Remission. Dazu braucht es keinen Klinikaufenthalt, sondern es gelingt in Hausarztpraxen, so eine Studie.

Von Wolfgang Geissel

Diabetes in Remission mit intensiver Gewichtsreduktion

Gewichtsreduktion hilt, um einen Diabetes Typ-2 loszuwerden.

© niyazz / Fotolia

NEWCASTLE. Übergewichtige Typ-2-Diabetiker können auch ohne bariatrische Chirurgie massiv an Gewicht verlieren und die Zuckerkrankheit wieder loswerden. Das haben britische Forscher um Professor Roy Taylor von der Newcastle University in England gezeigt (Lancet 2017, online 5. Dezember). An ihrem Diabetes Remission Clinical Trial (DiRECT) nahmen 298 übergewichtige Zuckerkranke (BMI 27-45) aus 49 Praxen der Primärversorgung in Großbritannien teil. (doi: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(17)33102-1).

Die Krankheit war bei ihnen in den vergangenen sechs Jahren diagnostiziert worden. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Hälfte erhielt ein intensives Abnehm-Programm mit Formuladiäten (825–853 kcal/Tag) über drei bis fünf Monate plus eine schrittweise Gewöhnung an gesunde Normalkost. Die andere Hälfte wurde normal versorgt und diente als Kontrollgruppe.

Die beiden primären Endpunkte waren Gewichtsverlust von 15 kg und eine DiabetesRemission mit einem HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent nach mindestens zwei Monaten ohne Antidiabetika. Von den je 149 Patienten in den beiden Gruppen blieben 128 (Intervention) und 147 (Kontrolle) bis zur Auswertung bei der Stange.

Ergebnis: In den zwölf Monaten hatten 24 Prozent der Patienten in der Interventionsgruppe und keiner in der Kontrollgruppe mindestens 15 kg an Gewicht verloren. Im Mittel hatte jeder Teilnehmer in der Interventionsgruppe 10 kg und in der Kontrollgruppe 1 kg abgespeckt. Eine Diabetes-Remission ergab sich bei 46 Prozent in der Behandlungsgruppe und bei 4 Prozent in der Kontrollgruppe.

Je mehr die Patienten an Gewicht abnahmen, desto größer war ihre Chance für normale HbA1c-Werte ohne Antidiabetika.

Die Erfolgsquoten:

  • Bei bis zu 7 kg Reduktion hatten 7 Prozent eine Remission,
  • bei 7 bis 10 kg waren es 34 Prozent,
  • bei 10 bis 15 kg 57 Prozent und
  • bei 15 kg und mehr 86 Prozent.
  • Die größten Chancen zum Abnehmen bestehen bei der Diabetes-Diagnose, wenn die Patienten noch motiviert sind, so die Forscher. Ob die Teilnehmer das reduzierte Gewicht und die Remission langfristig erhalten können, wird nun in weiteren vier Jahren Studie geprüft.

    Lesen Sie dazu auch:
    Nobelpreis-verdächtig: Große Hoffung auf Gesundheit für Typ-2-Diabetiker

    Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
    [08.12.2017, 18:26:11]
    Dr. Thomas Georg Schätzler 
    Es ist nicht alles Gold, was glänzt!
    "Die Erfolgsquoten:
    Bei bis zu 7 kg Reduktion hatten 7 Prozent eine Remission,
    bei 7 bis 10 kg waren es 34 Prozent,
    bei 10 bis 15 kg 57 Prozent und
    bei 15 kg und mehr 86 Prozent";
     
    bedeuten im Umkehrschluss nach ganzen 12 Monaten Therapie- bzw. Interventionsdauer:

    Bei bis zu 7 kg Körpergewichts-Reduktionen blieben 93% therapiepflichtige Typ-2-Diabetiker,
    bei 7 bis 10 kg blieben 66% therapiepflichtige Typ-2-Diabetiker,
    bei 10 bis 15 kg blieben 43% therapiepflichtige Typ-2-Diabetiker und
    bei 15 kg und mehr blieben 14% therapiepflichtige Typ-2-Diabetiker.

    Eine Therapie-Dauer von nur 12 Monaten (sic!) ist m. E. für weiterführende Schlussfolgerungen und Konsequenzen viel zu kurz und unseriös.

    Mit ihrer Publikation "Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial" von Prof Michael EJ Lean et al. - corresponding author Prof Roy Taylor
    http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)33102-1/fulltext
    beschreibt die Autorenschaft einen auch in meiner täglichen Praxis nachvollziehbaren Strohfeuer-Effekt, der im 4-Jahres-Follow-up erst Klarheit über substanzielle Ergebnisse schaffen wird.

    Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH)  zum Beitrag »

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Die Newsletter der Ärzte Zeitung

    Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

    Der Albtraum vom Nicht-Schlafen

    Schlaflosigkeit lässt sich kaum nachweisen. Forscher zeigen: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien. mehr »

    Ärztenetze sollen Arztsitze erwerben können

    Die Gesundheitsminister wollen Ärztenetze stärken. Keine Mehrheit auf ihrer Konferenz fand der Vorschlag, die Budgets in der vertragsärztlichen Versorgung abzuschaffen. mehr »

    Das Kassenpolster wächst und wächst

    Die Kassen der Krankenkassen füllen sich weiter: Im ersten Quartal 2018 steht ein Überschuss von über 400 Millionen Euro zu Buche. Zudem fällt das Jahresergebnis für 2017 viel besser aus als gedacht. mehr »