Ärzte Zeitung online, 19.01.2018

Prävention

Schulungen reduzieren das Depressionsrisiko von Diabetikern

Viele Diabetiker leiden an depressiven Verstimmungen. Um einer manifesten Depression vorzubeugen, ist eine frühe Intervention wichtig. Meist hilft eine Schulung oder auch eine kurze Verhaltenstherapie.

Von Wolfgang Geissel

Schulungen reduzieren das Depressionsrisiko von Diabetikern

Zuversicht: Wer seinen Diabetes in den Griff bekommt, hat auch weniger Ängste vor Komplikationen.

© Getty Images/iStockphoto

NEU-ISENBURG. Depressionen kommen bei Menschen mit Diabetes doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung. Die seelische Krankheit geht dabei mit einem hohen Suizid-Risiko einher. Betroffene vernachlässigen zudem oft die Therapie, was wiederum das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht.

Diabetes und Depressionen befeuern sich gegenseitig: Psychischer Stress führt bei Betroffenen durch eine ständige Aktivierung der Stressachse unter anderem zu Entzündungsprozessen an den kleinen wie großen Gefäßen. Dies vergrößert bei Diabetikern das ohnehin schon hohe kardiovaskuläre Risiko zusätzlich. Auch beeinträchtigt psychischer Stress die Wirkung von Insulin.

Um bei Menschen mit Diabetes schlechte Blutzuckerwerte und Folgeerkrankungen zu vermeiden, müssen Depressionen früh erkannt werden. Die Symptome sind sehr verschieden: Außer tiefer Niedergeschlagenheit, Mut- und Hoffnungslosigkeit können oft ja auch Angst, Schlafstörungen oder Schmerzen Hinweise sein. Aufmerksamkeit ist angebracht, wenn sich die Einstellung zur Erkrankung ins Negative wandelt. Mindestens einmal im Jahr sollte das Befinden abgeklärt werden. Dazu eignet sich zum Beispiel der WHO-5-Fragebogen aus dem Gesundheitspass Diabetes.

Beim Screening findet sich meist eine depressive Verstimmung. Betroffene können dann besonders von einer Diabetes-Schulung profitieren, betont Professor Norbert Hermanns vom Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM). Durch sachlichen Umgang mit der Stoffwechselkrankheit werden Ängste etwa vor Hypoglykämien oder Folgeschäden abgebaut. Bei der DDG-Herbsttagung hat Hermanns zum Beispiel das PRIMAS-Programm für Typ-1-Diabetiker empfohlen.

DIAMOS – Diabetesmotivation stärken

Zur Depressions-Prävention wurde am FIDAM zudem die Kurzzeit-Verhaltenstherapie DIAMOS (Diabetesmotivation stärken) entwickelt. In fünf Sitzungen à 90 Minuten lernen die Patienten Probleme im Zusammenhang mit dem Diabetes zu identifizieren, Lösungsstrategien zu erarbeiten, negative Einstellungen zu verändern und Ressourcen zu aktivieren. Am Ende der Intervention steht eine Vereinbarung über konkrete Schritte zur Belastungs-Reduktion.

In einer Studie wurde das Programm bei 214 Typ-1- und Typ-2-Diabetikern mit einer herkömmlichen Diabetes Schulung verglichen (Diab Care 2015; 38: 551). Ergebnis: Selbstmanagement und Zufriedenheit der Patienten wurden von beiden Interventionen ähnlich gut verbessert. Aber was die Reduktion depressiver Symptome und diabetesbezogener Belastungen betrifft, war DIAMOS eindeutig effektiver. So lag die Wahrscheinlichkeit, eine behandlungsbedürftige Depression zu entwickeln, bei den Teilnehmern der Kurzzeit-Therapie 37 Prozent niedriger "Damit beugt DIAMOS erwiesenermaßen einer schweren Depression vor", so Hermanns.

Liste aller "Fachpsychologen Diabetes DDG": www.diabetes-psychologie.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Frauen leben länger, Männer glücklicher

Frauen haben in allen europäischen Ländern eine deutlich höhere Lebenserwartung als Männer, die zusätzlichen Jahre bescheren ihnen jedoch selten Freude. mehr »

So gefährlich sind Krampfadern

Krampfadern sollten nicht nur als kosmetisches Problem angesehen werden. Auch wenn die Varizen keine Beschwerden verursachen, bergen sie gesundheitliche Gefahren. mehr »

Die Macht der Position

Sexismus im medizinischen Alltag: Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler bricht hier eine Lanze für die Männer. Diskriminierung kennt sie - geschlechtsunabhängig - eher durch einen anderen Faktor. mehr »