Ärzte Zeitung online, 09.11.2018

Kommentar

In Studien bewährte Strategie

Von Wolfgang Geissel

wolfgang.geissel

Schreiben Sie dem Autor wolfgang.geissel@springer.com

In keinem Land der Welt hat sich die Diabetes-Epidemie bisher eindämmen lassen. Deshalb muss in der jetzt von der Regierungskoaltion geplanten „Nationalen Diabetes-Strategie“ auch eher geklotzt als gekleckert werden. Die bisher vorgeschlagene Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Fertiggerichten lässt sich dabei eher als symbolischer Aktionismus verbuchen.

Ganz anders das jetzt von der DAK im „Versorgungsreport Diabetes mellitus“ vorgestellte Konzept zur Früherkennung von Prädiabetes verbunden mit einem Präventionsprogramm über 18 Monate. Die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen ist in Studien wie dem US-Diabetes Prevention Program (DPP) evaluiert. Dort ließ sich mit gezielten Lebensstilmodifikationen die Erkrankungsrate bei Menschen mit hohem Diabetesrisiko mehr als halbieren.

Vorbild des DAK-Konzepts ist das staatliche NHS-Diabetes Präventionsprogramm in England. Dieses zeigt die Machbarkeit auf Bevölkerungsebene. 2017 wurden damit 75 Prozent der Zielgruppe erreicht. Von 185.000 entdeckten Prädiabetikern nahmen 78.000 das Angebot wahr, 60 Prozent hielten bis zum Schluss durch und – als erstes Ergebnis – verloren im Schnitt 3,7 kg Gewicht.

Auch in Deutschland wäre es Zeit für eine solche Nationale Strategie!

Lesen Sie dazu auch:
Nationale Diabetes-Strategie: Kasse will Diabetes-Ausbreitung mit Prävention eindämmen

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[09.11.2018, 14:22:11]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sorry, aber sind das nicht alte Hüte?
Das "Diabetes Prevention Program (DPP)"
mit
"The Diabetes Prevention Program (DPP) was a major clinical trial, or research study, aimed at discovering whether either diet and exercise or the oral diabetes drug Metformin (Glucophage) could prevent or delay the onset of type 2 diabetes in people with Impaired Glucose Tolerance (IGT).
The answer is yes, they both can. In fact, the DPP Study found that over 3 years, beneficial changes in diet and physical activity greatly reduced the chances that a person with IGT would develop diabetes. Metformin also reduced risk, although less dramatically. The DPP resolved these questions so quickly that, on the advice of an external monitoring board, the program was halted a year early. The researchers published their findings in the February 7, 2002, issue of the New England Journal of Medicine..." ist nun wirklich ein alter Hut.
https://www.diabetesprevention.pitt.edu/index.php/for-the-public/diabetes-prevention-program-dpp/
und
"Reduction in the Incidence of Type 2 Diabetes with Lifestyle Intervention or Metformin" von 2002 (!) der Diabetes Prevention Program Research Group
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa012512

Auch das staatlich einheitliche NHS-Diabetes Präventionsprogramm in Großbritannien (GB) lässt sich auf unsere föderalen Strukturen und eine Fülle untereinander konkurrierenden GKV-Krankenkassen nicht übertragen. Die Ergebnisse in GB sehen auch gar nicht so rosig aus: Von 185.000 entdeckten Prädiabetikern nahmen 78.000 das Angebot wahr, das sind nur 42,2%. davon hielten nur 60 Prozent bis zum Schluss durch: Das sind 46.800 und damit nur noch 25,3%, die dann tatsächlich im Schnitt ihr Körpergewicht um 3,7 kg reduzieren konnten.

Die DAK vernachlässigt in ihrem „Versorgungsreport Diabetes mellitus“ die routinemäßige HbA1c-Bestimmung zur Frühdetektion von metabolischem Syndrom, latentem Prädiabetes und manifestem Typ-2-Diabetes mellitus. Von einem "Metformin für Alle“ halte ich nichts - das könnte man ja gleich ins Trinkwasser tun?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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