Ärzte Zeitung online, 23.02.2019

Diabetes digital

„Wer das verpennt, ist irgendwann weg“

Wie wird sich der Alltag der Diabetesversorgung durch die Digitalisierung verändern? Deutlich, glauben Experten und verweisen auf digitale Schulungen und Telemedizin.

Von Philipp Grätzel von Grätz

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Telemedizin und Schulungen werden durch digitale Medien auch in der Betreuung von Diabetikern immer wichtiger.

© putilov_denis / Fotolia

BERLIN. Beim Thema Schulungen befindet sich die Diabetologie in disruptiven Zeiten. So lautete die These von Dr. Hansjörg Mühlen vom Diabetologikum Duisburg bei einem von Berlin-Chemie unterstützten Symposium anlässlich der Konferenz diatec 2019 in Berlin: „Wir Experten verlieren unser Monopol auf Information und werden eher zu Coaches werden, die den Patienten zeigen, wo und wie sie relevante Informationen bekommen.“

Mühlen sagte, er gehe davon aus, dass klassische Gruppenschulungen künftig regelhaft durch Online-Schulungen ergänzt würden, mit denen sich einzelne Fähigkeiten gezielt und vor allem wiederholt oder sogar kontinuierlich trainieren lassen. Beispielhaft nannte er das BE-Schulungselement des Kommunikationskonzepts TheraKey®, das in seiner Praxis sehr regelmäßig zum Einsatz komme.

„Wir werden künftig alle Informationskanäle und Schulungsmethoden strukturiert in unsere Behandlungskonzepte einbinden“, prognostizierte Mühlen. Patienten-Apps beispielsweise sieht Mühlen nicht nur als reine Blutzuckertagebücher, sondern als Kommunikationswerkzeuge im Rahmen einer ganzheitlichen Versorgung: „In unserer Praxis wird die My Therapy App mittlerweile sehr gerne benutzt. Wir sehen da gute Erfolge.“

Telemedizin findet ihren Weg

Offen sei derzeit noch, wie eine integrierte, mit multimodalen Schulungskonzepten hinterlegte Diabetesversorgung dauerhaft finanziert werden könne. Die Zeit der Einzelabrechnung gehe dem Ende entgegen. Mühlen: „Ich persönlich denke, dass in Zukunft nicht mehr einzelne Schulungen, sondern komplette Behandlungskonzepte erstattet werden“, so der Diabetologe.

Auch bei den telemedizinischen Dienstleistungen ist Mühlen davon überzeugt, dass sie zunehmend den Weg in die Versorgung finden werden: „Bisher gibt es aber kaum Angebote, und die einfachen Videosprechstunden, die wir in unserer Praxis seit jetzt zwei Jahren anbieten, haben mit echter Telemedizin nichts zu tun.“

Das dürfte sich aber ändern. Allein im Rahmen des Innovationsfonds würden derzeit drei telemedizinische Versorgungsprogramme für Diabetespatienten evaluiert.

Vielversprechende Projekte

Vielversprechend mit Blick auf präventive Ziele seien strukturierte Betreuungs- und Coaching-Programme wie das in Deutschland Verbreitung findende TeLiPro-Programm des DITG, bei denen telemedizinische Service-Center und niedergelassener Arzt Hand in Hand arbeiten: „Die Digitalisierung ersetzt nicht den Arzt, aber der digitalisierte Arzt ersetzt den nicht digitalisierten Arzt. Die Leute, die das verpennen, sind irgendwann weg.“

Infos zum 360°-Kommunikations- konzept TheraKey® von Berlin-Chemie: www.therakey.info

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