Ärzte Zeitung, 21.05.2013
 

Nasenschmuck

Die Gefahren der durchlöcherten Nase

Nasenpiercing gilt als cool - und ist so alt wie die Bibel. Doch die tollkühnen Träger solcher Schmuck- und Kultstücke müssen mit Komplikationen rechnen.

Von Christine Starostzik

nasenschmuck-A.jpg

Ein kleiner Glitzerstein kann auch Hautprobleme bereiten.

© photos.com

DURHAM. Nostril-, Septum- oder Bridge-Piercing sind keine Erfindung der Jugendlichen des 20. Jahrhunderts. Schon in der Bibel wird über einen goldenen Nasenring berichtet.

Menschen im Vorderen Orient über Angehörige afrikanischer Stämme bis hin zu den Ureinwohnern Amerikas durchlöcherten ihre Nasen, um die merkwürdigsten Dinge dort zu platzieren. Diese dienten nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern hatten auch reichlich Symbolkraft.

In der westlichen Kultur kam der Nasenring im Jahr 1913 an - wie Barry Ladizinski und Kollegen vom Duke University Medical Center in Durham berichten - in Form der Sängerin Polaire, die mit einem Piercing im linken Nasenflügel durch die USA tourte.

In den 1960er-Jahren wurde diese Mode von den amerikanischen Hippies übernommen und schließlich entdeckten sowohl die Punks der 1970er- als auch die Goths der 1980er-Jahre den Nasenschmuck für sich.

Heute ist ein Nasenpiercing meist kein Grund mehr für längere Familiendiskussionen. Im Gegenteil, ein kleiner Glitzerstein blitzt auch in so mancher Mutternase (JAMA Dermatol 2013; 149: 142).

Ärzte gegen Kollegen mit Nasenring

Im Medizinbereich scheint ein Nasenpiercing allerdings nicht so gut anzukommen. Umfragen haben ergeben: Nur 24% der Patienten halten ein solches Schmuckstück bei ihrem Arzt für angebracht.

Und lediglich 7% der Ärzte selbst finden, dass das Tragen eines Nasenrings mit ihrem Job vereinbar sei. Mehr als die Hälfte der Mediziner gaben in einer Befragung an, sie würden ein solches Schmuckstück bei einem Kollegen oder einem Medizinstudenten als störend empfinden.

Doch ganz abgesehen von modischen Trends und persönlichen Vorlieben - ganz reibungslos geht ein Piercing nicht immer vonstatten. Komplikationen können etwa durch die Verwendung nicht steriler Instrumente, ungenügende Nachsorge oder stümperhafte Techniken entstehen.

So wurde beispielsweise über Infektionen mit Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa sowie Hepatitis-Viren berichtet. Daneben kommt es immer wieder zu Blutungen oder zur Bildung von Narben und Keloiden. Auch über die Entwicklung von Granulomen und Basalzellkarzinomen im Zusammenhang mit einem Piercing wurde schon berichtet.

Die Probleme, die Ladizinski et al. in der "Notable Note" aufführen, sind allerdings bei Weitem nicht die einzigen. So haben S. Strieth und A. Berghaus beispielsweise auf die Problematik eines perforierten Knorpels hingewiesen (MMW-Fortschr Med 2006, 41: 41-43).

Es besteht die Gefahr eines Septumhämatoms, einer Perichondritis oder Abszessbildung, was letztlich bis hin zu Deformitäten führen kann.

Piercen à la Leitlinie?

Auch eine behinderte Nasenatmung sowie ungewollte Atemgeräusche können dem Träger sein Schmuckstück vermiesen. Zudem weisen Strieth und Berghaus auf die langen Wundheilungszeiten bei Piercingschmuck-Perforationen hin (Nasenscheidewand 6-8 Monate, Nasenflügel 2-4 Monate und Nasenrücken 8-10 Wochen).

Einige Länder wie Neuseeland oder Frankreich haben versucht, möglichen Komplikationen im Vorfeld zu begegnen. Sie haben allgemeine Richtlinien entwickelt, an denen sich Piercer bei ihrem Handwerk orientieren müssen.

Da Nasenringe möglicherweise irgendwann den Beliebtheitsgrad von Ohrringen erreichen, sollten Piercer wie Verbraucher vorbereitet sein, meinen Ladizinski und Kollegen, und zwar durch bessere Aufklärung über sichere Techniken, hygienische Vorsichtsmaßnahmen und potenzielle Risiken.

Auf rechtsfreiem Raum bewegen wir uns in Deutschland allerdings auch nicht. Anbieter von Piercings müssen sich hinsichtlich der Materialien an EU-Richtlinien orientieren. Zudem gelten das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz (LMBG) sowie zum Schutz von Minderjährigen die Paragraphen 106, 107 und 113 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Darüber hinaus hat der europäische Berufsverband für professionelles Piercing (EAPP) einen Anforderungskatalog mit "Richtlinien für die Durchführung und Hygiene im professionellen Piercingstudio für zertifizierte EAPP-Mitglieder" erstellt, wie Ladizinski und Kollegen berichten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »