Nasenschmuck

Die Gefahren der durchlöcherten Nase

Nasenpiercing gilt als cool - und ist so alt wie die Bibel. Doch die tollkühnen Träger solcher Schmuck- und Kultstücke müssen mit Komplikationen rechnen.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Ein kleiner Glitzerstein kann auch Hautprobleme bereiten.

Ein kleiner Glitzerstein kann auch Hautprobleme bereiten.

© photos.com

DURHAM. Nostril-, Septum- oder Bridge-Piercing sind keine Erfindung der Jugendlichen des 20. Jahrhunderts. Schon in der Bibel wird über einen goldenen Nasenring berichtet.

Menschen im Vorderen Orient über Angehörige afrikanischer Stämme bis hin zu den Ureinwohnern Amerikas durchlöcherten ihre Nasen, um die merkwürdigsten Dinge dort zu platzieren. Diese dienten nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern hatten auch reichlich Symbolkraft.

In der westlichen Kultur kam der Nasenring im Jahr 1913 an - wie Barry Ladizinski und Kollegen vom Duke University Medical Center in Durham berichten - in Form der Sängerin Polaire, die mit einem Piercing im linken Nasenflügel durch die USA tourte.

In den 1960er-Jahren wurde diese Mode von den amerikanischen Hippies übernommen und schließlich entdeckten sowohl die Punks der 1970er- als auch die Goths der 1980er-Jahre den Nasenschmuck für sich.

Heute ist ein Nasenpiercing meist kein Grund mehr für längere Familiendiskussionen. Im Gegenteil, ein kleiner Glitzerstein blitzt auch in so mancher Mutternase (JAMA Dermatol 2013; 149: 142).

Ärzte gegen Kollegen mit Nasenring

Im Medizinbereich scheint ein Nasenpiercing allerdings nicht so gut anzukommen. Umfragen haben ergeben: Nur 24% der Patienten halten ein solches Schmuckstück bei ihrem Arzt für angebracht.

Und lediglich 7% der Ärzte selbst finden, dass das Tragen eines Nasenrings mit ihrem Job vereinbar sei. Mehr als die Hälfte der Mediziner gaben in einer Befragung an, sie würden ein solches Schmuckstück bei einem Kollegen oder einem Medizinstudenten als störend empfinden.

Doch ganz abgesehen von modischen Trends und persönlichen Vorlieben - ganz reibungslos geht ein Piercing nicht immer vonstatten. Komplikationen können etwa durch die Verwendung nicht steriler Instrumente, ungenügende Nachsorge oder stümperhafte Techniken entstehen.

So wurde beispielsweise über Infektionen mit Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa sowie Hepatitis-Viren berichtet. Daneben kommt es immer wieder zu Blutungen oder zur Bildung von Narben und Keloiden. Auch über die Entwicklung von Granulomen und Basalzellkarzinomen im Zusammenhang mit einem Piercing wurde schon berichtet.

Die Probleme, die Ladizinski et al. in der "Notable Note" aufführen, sind allerdings bei Weitem nicht die einzigen. So haben S. Strieth und A. Berghaus beispielsweise auf die Problematik eines perforierten Knorpels hingewiesen (MMW-Fortschr Med 2006, 41: 41-43).

Es besteht die Gefahr eines Septumhämatoms, einer Perichondritis oder Abszessbildung, was letztlich bis hin zu Deformitäten führen kann.

Piercen à la Leitlinie?

Auch eine behinderte Nasenatmung sowie ungewollte Atemgeräusche können dem Träger sein Schmuckstück vermiesen. Zudem weisen Strieth und Berghaus auf die langen Wundheilungszeiten bei Piercingschmuck-Perforationen hin (Nasenscheidewand 6-8 Monate, Nasenflügel 2-4 Monate und Nasenrücken 8-10 Wochen).

Einige Länder wie Neuseeland oder Frankreich haben versucht, möglichen Komplikationen im Vorfeld zu begegnen. Sie haben allgemeine Richtlinien entwickelt, an denen sich Piercer bei ihrem Handwerk orientieren müssen.

Da Nasenringe möglicherweise irgendwann den Beliebtheitsgrad von Ohrringen erreichen, sollten Piercer wie Verbraucher vorbereitet sein, meinen Ladizinski und Kollegen, und zwar durch bessere Aufklärung über sichere Techniken, hygienische Vorsichtsmaßnahmen und potenzielle Risiken.

Auf rechtsfreiem Raum bewegen wir uns in Deutschland allerdings auch nicht. Anbieter von Piercings müssen sich hinsichtlich der Materialien an EU-Richtlinien orientieren. Zudem gelten das Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Gesetz (LMBG) sowie zum Schutz von Minderjährigen die Paragraphen 106, 107 und 113 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

Darüber hinaus hat der europäische Berufsverband für professionelles Piercing (EAPP) einen Anforderungskatalog mit "Richtlinien für die Durchführung und Hygiene im professionellen Piercingstudio für zertifizierte EAPP-Mitglieder" erstellt, wie Ladizinski und Kollegen berichten.

Mehr zum Thema

CHMP-Sitzung

Diese neuen Optionen der Pharmakotherapie sind in Sicht

Onlinekurs Geriatrie

Ulcus cruris: Auf die Ursache kommt es an

Das könnte Sie auch interessieren
Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

© Bayer Vital GmbH

DDG-Tagung 2021

Laser- und Strahlentherapie: Mit Dexpanthenol nachbehandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

© Dr. Sebastian Huth / privat

ADF-Jahrestagung

Dexpanthenol kompensiert den MMP3-Knockdown-Effekt

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

© Mark Kostich / iStockphoto

Radiodermatitis

Bessere Wundheilung unter Dexpanthenol-haltigen Topika

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Der BÄK-Vorstand hat via Abstimmung von den Delegierten den Auftrag erhalten gendersensiblere Bezeichnungen für die berufspolitischen Organisationen (Ärztekammern) und ihre Hauptversammlung (Ärztetag) zu schaffen.

© [M] Sprechblase: kebox / stock.adobe.com | Ärztetag: Rolf Schulten

Beschlossen

Ärztetag wird künftig konsequenter gendern

Das Genom des Affenpockenvirus ist siebenmal größer als SARS-CoV-2. Bei dem DNA-Virus sind weniger Veränderungen als bei einem mRNA-Virus zu erwarten.

© dottedyeti / stock.adobe.com

Rätselhafter Ausbruch

Affenpocken: Maßnahmen konzentrieren sich auf Risikogruppen

Kärtchen zücken: Zur ärztlichen Weiterbildung wurden auf dem 126. Deutschen Ärztetag in Bremen eine ganze Reihe von Beschlüssen gefasst.

© Rolf Schulten

Klimawandel in Curricula

Ärztetag fasst zahlreiche Beschlüsse zur Weiterbildung