Ärzte Zeitung, 15.04.2005

Kardiovaskuläres Risiko entsteht nach dem Essen

Auf die postprandialen Blutzucker- und Triglyzeridwerte kommt es an / Forscher in Dresden diskutieren Therapien

DRESDEN (Rö). Was jeder Medizinstudent gelernt hat: Glukose und Lipide werden nüchtern gemessen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Nüchternmessung der Blutglukose ist gut standardisiert, "aber man sollte auch wissen, wie der Glukosewert zwei bis vier Stunden nach dem Essen aussieht", sagt Professor Markolf Hanefeld aus Dresden.

Die Bedeutung von metabolischen Veränderungen nach den Mahlzeiten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeichnet sich immer mehr ab, hat Hanefeld vor dem internationalen Symposium: "Das metabolische Syndrom - eine postprandiale Erkrankung" am Sonntag und Montag in Dresden der "Ärzte Zeitung" gesagt.

"Bei unseren heutigen Lebensgewohnheiten sind wir 20 Stunden täglich in einer postprandialen Phase, nur von vier Uhr nachts bis 8 Uhr morgens nicht". Dies bedeutet: Blutglukose und Triglyzeride sind erhöht, es sind vermehrt Freie Radikale im Blut, die Gerinnung ist aktiviert. Störungen im Stoffwechsel wirken sich postprandial viel stärker aus. Denn die Werte sind dann besonders hoch.

Daß die postprandialen Werte besser mit dem kardiovaskulären Risiko korreliert sind als die Nüchternwerte, sei aus Studien eindeutig belegt: für die Hyperglykämie und für den Triglyzerid-Wert vier bis sechs Stunden nach dem Essen. Die Diskussion gehe deshalb dahin, die Triglyzeride später am Tag zu bestimmen, etwa um 17 Uhr oder besser noch um 21 Uhr. Neue Erkenntnisse belegen zudem, daß postprandial die Entzündungsparameter in den Gefäßen erhöht sind. Und dies trägt entscheidend zur Plaquedestabilisierung bei.

Die postprandialen Entgleisungen des Stoffwechsels zu verringern, ist daher wichtig, um Komplikationen vorzubeugen. Dies gelingt auf ganz unterschiedliche Weise: Vernünftige Ernährung kappt postprandiale Triglyzerid-Spitzen, Bewegung verkürzt die postprandialen Phasen.

Medikamentös wirken Fibrate gegen hohe Triglyzerid-Spiegel, retardierte Nikotinsäure (Niaspan®) steigert das HDL-Cholesterin. Bei den Antiadipositas-Medikamenten erwartet Hanefeld zusätzlich zu Orlistat (Xenical®) künftig eine starke Rolle für Rimonabant. Von den Antidiabetika vermindern die Insulinresistenz Repaglinid (NovoNorm®) und Nateglinid (Starlix®), die Blutzuckerspitzen kappt etwa Acarbose (Glucobay®).

Informationen zum Kongreß: www.mspostprandial-dresden2005.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spahn kritisiert Stimmungsmache der Ärzte

Die Ärzte sind verärgert über Spahns Versorgungsgesetz. Der Gesundheitsminister stellt gegenüber der "Ärzte Zeitung" irritiert klar: Die KBV hat am Gesetz mitgearbeitet. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »