Ärzte Zeitung, 25.02.2012

Nachlässig trotz angeborenem Herzfehler

Patienten mit angeborenem Herzfehler brechen nach dem 18. Geburtstag die regelmäßige Betreuung oft ab. Die Deutsche Herzstiftung appelliert dringend, die Behandlung bei eigens zertifizierten Ärzten fortzusetzen.

Nachlässig trotz angeborenem Herzfehler

Herzdiagnostik per Sonografie: Bei angeborenem Herzfehler genau hinsehen.

© Klaro

FRANKFURT/MAIN (eb). Junge Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) sollten unbedingt den Kontakt mit einem EMAH-Kardio logen halten, appelliert die Deutsche Herzstiftung in einer Mitteilung.

Eine aktuelle Liste EMAH-zertifizierter (Kinder-)Kardiologen und Zentren stellt die Kinderherzstiftung auf ihrer Homepage bereit.

Bisher begibt sich nur eine Minderheit der 200.000 bis 300.000 EMAHs in Deutschland regelmäßig in zertifizierte Betreuung. Um eine sektorenübergreifende Versorgung aufzubauen, haben kardiologische Fachgesellschaften die "EMAH-Task-Force" gegründet.

Als Ursachen, warum so viele betroffene Patienten nach der Volljährigkeit die Behandlung bei einem zertifizierten Kardiologen abbrechen, werden veränderte Lebensumstände vermutet.

So ziehen viele aus beruflichen Gründen von ihren Eltern weg, die bisher die Arztbesuche organisiert haben. Auch fühlen die Patienten sich in allgemeinärztlichen und kardiologischen Praxen ohne EMAH-Expertise nicht ausreichend betreut, weil sie dort oft ihren Herzfehler erst erklären müssen.

Bei einem Wohnortwechsel sollten sie deshalb direkt an einen zertifizierten Arzt weitergeleitet werden, rät die Herzstiftung. Und schon die Jugendlichen müssten verstehen, wie wichtig Medikamente oder Einschränkungen beim Sport sind.

Als weiterer Grund für den Abbruch kommen Abrechnungshürden in Frage. So haben selbst EMAH zertifizierte Kinderkardiologen keinen Anspruch auf Weiterbetreuung ihrer gesetzlich versicherten Patienten ab 18 Jahre.

Derzeit müssen sie erst mit den KVen auf Landesebene Sondergenehmigungen aushandeln. Ein einheitliches Modell für das gesamte Bundesgebiet steht noch aus.

www.kinderherzstiftung.de/emah.php

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Viele falsche Vorstellungen, was Krebs verursacht

Stress, Handystrahlen und Trinken aus Plastikflaschen lösen Krebs aus, denken viele fälschlicherweise. Die wahren Risikofaktoren kennt nur jeder Zweite, so eine Studie. mehr »

Höherer Zuschlag für Terminvermittlung

Das Bundeskabinett will sich heute mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschäftigen. Am Entwurf wurde vorab noch gebastelt – er enthält wichtige Änderungen. mehr »

Die übersehene Speiseröhren-Entzündung

Lange glaubte man, die eosinophile Ösophagitis komme nur selten vor. Inzwischen zeigt sich: Es gibt immer mehr Patienten mit dieser chronischen Entzündung der Speiseröhre. mehr »