Herzbericht 2015

Erfolge, aber auch neue Aufgaben

Der diesjährige Herzbericht rückt neue Aufgaben in den Blickpunkt - etwa bei Datenbeschaffung und -qualität.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

BERLIN. Der "Herzbericht 2015" liefert wieder beeindruckende Zahlen, "über die viele andere Länder froh wären", betonte DGK-Präsident Professor Karl-Heinz Kuck von der Asklepios Klinik St. Georg Hamburg bei der Präsentation in Berlin.

Er verwies unter anderem darauf, dass in der Zeit zwischen 1990 und 2013 die Sterblichkeit von Patienten mit akutem Myokardinfarkt um 40 Prozent zurückgegangen sei. Dazu haben nicht zuletzt enorme Verbesserungen auf dem Gebiet der katheterbasierten revaskularisierenden Akuttherapie bei Myokardinfarkt beigetragen.

Die Gesamtsterblichkeit aller kardiovaskulären Erkrankungen hat sich in dieser Zeit um 18 Prozent verringert. Zwei Erkrankungen fallen allerdings mit gegenläufigen Trends aus dem Rahmen.

Sowohl bei Herzklappenerkrankungen als auch bei Herzrhythmusstörungen sei seit geraumer jeweils ein Anstieg der Sterbeziffern zu verzeichnen, berichtete Kuck - der allerdings Zweifel hegt, ob die erhobenen Daten tatsächlich die reale Entwicklung widerspiegeln: "Das macht für mich überhaupt keinen Sinn".

 Perkutane Therapieoption verfügbar

Denn gerade bei der Therapie von Klappenerkrankungen seien Fortschritte gemacht worden, die eigentlich positive Veränderungen bei der Mortalität erwarten lassen.

Mit der Transkatheter Aortenklappen-Implantation (TAVI) ist inzwischen eine perkutane Therapieoption verfügbar, die erstmals auch eine Behandlung von inoperablen Hochrisikopatienten mit schwerer Aortenstenose ermöglicht.

Für diese Therapie sei in kontrollierten Studien eine substanzielle Reduktion der Sterblichkeit dokumentiert worden, erinnerte Kuck. Er präsentierte zudem neue Daten, wonach die Krankenhaussterblichkeit nach TAVI in Deutschland stetig abgenommen hat.

Aber warum zeichnet der Herzbericht dann ein gegenteiliges Bild? Darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Kuck vermutet stark, dass es sich eher um ein "Problem der Kodierung" als um eine reale Zunahme der Mortalität bei Herzklappenerkrankungen und kardialen Arrhythmien handelt.

Nach seiner Ansicht werden Klappenerkrankungen und Arrhythmien wie Vorhofflimmern heute stärker in Zusammenhang mit einer erhöhten Mortalität wahrgenommen. Diese veränderte Wahrnehmung könnte sich in der Zuordnung der Diagnosen auf den Totenscheinen niedergeschlagen haben.

"Wir müssen zuverlässige Daten vorlegen"

Kuck sieht deshalb die dringliche Notwendigkeit, Datenerfassung und -qualität künftig konsequent zu verbessern: "Wir müssen zuverlässige Daten vorlegen". Dies sei nicht zuletzt deshalb nötig, um etwa wichtigen Entscheidungsträgern eine vertrauenswürdige Grundlage für richtiges Handeln zu verschaffen.

Er sieht dabei auch die eigene Fachgesellschaft in der Pflicht, selbst für bessere Rahmenbedingungen etwa in Form von nationalen Registern für bestimmte kardiovaskuläre Erkrankungen zu sorgen, um "im europäischen Wettbewerb mithalten zu können".

Als Vorbild sieht der DGK-Präsident hier skandinavische Länder wie Dänemark und Schweden, in denen landesweite Register längst etabliert sind und als umfassende Datenquelle für vielfältige wissenschaftliche Analysen genutzt werden.

Diese Aufgabe will man vonseiten der DGK nun unter anderem auf dem Feld der Katheterablation bei Herzrhythmusstörungen angehen. Laut Herzbericht war die Zahl dieser Behandlungen 2014 mit 68.052 um 11,5 Prozent höher als im Vorjahr.

In Deutschland gebe es keine Daten etwa zur Mortalität nach solchen Eingriffen, monierte Kuck. Das werde sich ändern. Auch die Zertifizierung von Zentren, die Ablationen durchführen, soll eingeführt werden.

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