Ärzte Zeitung online, 03.02.2017

Lymphologie

Lymphödem durch frühe Diagnose und vernetzte Versorgung gut im Griff

Für einen langfristigen Therapieerfolg bei Lymphödem sollte die manuelle Lymphdrainage durch Kompressionstherapie, Bewegungstherapie und Hautpflege ergänzt werden.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Bei der Versorgung von Patienten mit Lymphödemen sind regionale Versorgungsnetze ein wichtiger Qualitätsfaktor. Sie erleichtern auch die Verordnung der komplexen Entstauungstherapie. Von rund einer Million Patienten mit Lymphödem gehen Experten für Deutschland aus. Viele von ihnen haben jahrelange Odysseen hinter sich, bis die Erkrankung korrekt diagnostiziert wird. Dabei sei die Diagnose gar nicht so schwierig zu stellen, betonte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie Dr. Anya Miller bei einem Expertenworkshop von Springer Medizin in Berlin.

Wichtig sei zunächst der Ausschluss systemischer Ödemursachen, darunter Herzinsuffizienz, Nierenversagen und Lebersynthesestörungen. Danach sollten phlebologische Ursachen einer Ödementwicklung abgeklärt werden, in der Regel per Ultraschall. Liegt beides nicht vor, bleiben in erster Linie Lipödem und Lymphödem als Differenzialdiagnose übrig. Professor Knut Kröger vom HELIOS Klinikum Krefeld betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Stemmer-Zeichens.

Dabei wird die Haut über dem Grundgelenk der zweiten Zehe mit Daumen und Zeigefinger angehoben. Gelingt das nicht, spricht das für ein Lymphödem, denn das bezieht die Zehen meist mit ein. Das Lipödem dagegen beschränkt sich in der Regel auf den Bereich oberhalb des Sprunggelenks, und das Phlebödem endet zumindest in frühen Stadien am Fußrücken.

Hohe Adhärenz wichtig

Therapie der Wahl beim Lymphödem ist die komplexe Entstauungstherapie (KPE). Mit ihr kann die Lebensqualität verbessert und das Ödemvolumen reduziert werden (PM&R 2012; 4: 580-601). Ein langfristiger Erfolg stelle sich aber nur ein, wenn die manuelle Lymphdrainage durch Kompressionstherapie, Bewegungstherapie und Hautpflege ergänzt werde, betonte Miller. Auch sei eine hohe Adhärenz des Patienten besonders in Bezug auf Kompression und Hautpflege wichtig.

Erfolgreich umsetzen lasse sich die KPE in erster Linie in regionalen lymphologischen Netzwerken, von denen es deutschlandweit rund 70 gibt. "Ärzte, die Lymphödempatienten versorgen wollen, sollten sich einem Netzwerk anschließen", sagte Professor Gerd Lulay vom Gesundheitszentrum Matthias Spital Rheine bei der vom Medical Data Institute unterstützten Veranstaltung. Die Netzwerke gewährleisteten zum einen Qualitätsstandards bei Physiotherapie und Sanitätshäusern. Zum anderen sei es im Netzwerk einfacher, budgetierte Maßnahmen zu verordnen, ohne deswegen in Schwierigkeiten mit Kassen oder KVen zu kommen.

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