Ärzte Zeitung online, 18.04.2017

Studie gibt Entwarnung

Keine Herzrhythmus-Störung durch Azithromycin

Mehrere Studien, widersprüchliche Resultate – jetzt entlasten Forscher das verbreitete Antibiotikum Azithromycin vom Verdacht, lebensgefährliche Herzrhythmus-Störungen zu verursachen.

OTTAWA. Das vor allem bei bakteriellen Infektionen der Atemwege und des Urinaltrakts verbreitet genutzte Antibiotikum Azithromycin steht offensichtlich doch nicht im Zusammenhang mit dem erhöhten Risiko einer ventrikulären Arrhythmie. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Canadian Medical Association Journal (CMAJ) veröffentlichte Studie.

Diverse vorhergehende Untersuchungen hatten unterschiedliche Antworten geliefert, ob Azithromycin das Risiko erhöht, in Folge einer ventrikulären Arrhythmie zu sterben.

Das Medikament gehört zu den Makrolidantibiotika. Mindestens ein Präparat dieser Wirkstoffklasse, Erythromycin, ist bekannt dafür, den Herzrhythmus aus dem Takt zu bringen.

Um nun auch im Falle von Azithromycin eine klare Antwort zu erhalten, hatte ein Team europäischer Forscher die Gesundheitsdaten von über 29 Millionen Menschen aus Italien, Großbritannien, Deutschland, den Niederlandan und Dänemark ausgewertet.

Dabei zeigte sich: Von den mehr als 14 Millionen neuen Antibiotika-Anwendern entwickelten 12.874 oder 0,1 Prozent eine ventrikuläre Arrythmie. 30 Patienten davon hatten Azithromycin erstmals genommen.

Verglichen mit Amoxicillin, einem anderen breit angewendeten Antibiotikum aus der Klasse der Penicilline, zeigte sich bei der Einnahme von Azithromycin kein erhöhtes Risiko einer Herzrhythmus-Störung. Einzig im Vergleich mit Patienten, die überhaupt keine Antibiotika einnahmen, war das Risiko erhöht.

Dr. Gianluca Trifiró von der Universität von Messina in Italien sagte: "Die vorliegenden Resultate legen nahe, dass das Risiko einer ventrikulären Arrhytmie eher hervorgerufen wird durch den schlechten Gesundheitszustand der Patienten und die Infektion als durch Azithromycin selbst." (sts)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[19.04.2017, 20:40:25]
Ursula Dahlem 
Trotzdem Vorsicht bei Patienten mit verlängertem QT
Leider wird untenstehendes in der Zusammenfassung, wie im Volltext zu entnehmen nicht erwähnt, so dass sich eigentlich nichts ändern sollte bei der Überwachung der Patienten:

However, because the drug does carry risk, it remains prudent to prescribe azithromycin cautiously, particularly in patients susceptible to arrhythmia, such as those with baseline QT prolongation, hypokalemia or hypomagnesemia, as well as those taking sotalol,
methadone or other drugs with similar effects on repolarization.

Even in these patients, however, treatment with a macrolide will occasionally be unavoidable. In such instances, the safest course
of action is to correct reversible causes of QT prolongation while limiting the dose and duration of antibiotic therapy. In patients who have an especially high risk of arrhythmia, periodic monitoring with electrocardiography during therapy offers an additional measure of safety. http://www.cmaj.ca/content/186/15/1127.full.pdf+html?sid=44396170-e1d9-4f5d-8c69-8051b6a6589b zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »