Ärzte Zeitung online, 06.10.2017

Intensivmedizin

Mikrozirkulation bei Schock und Sepsis im Fokus

Gestörte Mikrozirkulation hat bei Schock und Sepsis eine Schlüsselrolle. Physikalische Gefäßtherapie bietet hier einen neuen Therapieansatz.

Von Andreas Häckel

DRESDEN. Schock und Sepsis zählen zu den gefürchtetsten Komplikationen in der Intensivmedizin. Zu der hohen Sterblichkeit von bis zu 80 Prozent trägt eine gestörte Mikrozirkulation entscheidend bei.

Grund dafür ist die Ausbildung eines Multiorgan-Dysfunktionssyndroms (MODS) in Folge des Blutdruckabfalls und der starken Verminderung der Organdurchblutung, erklärte Professor Karl Werdan vom Herzzentrum des Universitätsklinikums Halle beim Kongress "Im Fokus der Forschung – Kleinste Blutgefäße" in Dresden. Ein weiterer aggravierender Faktor sei das zunehmende Lebensalter, das selbst bei Gesunden in einer Abnahme der Mikrozirkulation, dem "Nadelöhr der Organdurchblutung", resultiere.

Definitiv keine therapeutische Option zur Beeinflussung der kleinsten Blutgefäße stelle die Blutdruckstabilisierung dar, auch medikamentöse Optionen zur Verbesserung der bislang "therapierefraktären" Mikrozirkulation gebe es noch nicht. In einem innovativen Ansatz wird daher nun in einer Pilotstudie im Rahmen einer Promotionsarbeit der Nutzen einer Stimulation des Mikrogefäßsystems bei MODS-Patienten durch elektromagnetische Felder geringer Flussdichte mit biorhythmisch definierter Impulskonfiguration (Physikalische Gefäßtherapie Bemer®) untersucht. Ziel dieser, von Cand Dr. rer. medic. Diethelm Kühnert, MartinLuther-Universität Halle/Wittenberg gemeinsam mit Werdan vorgenommenen Microcirc-MODS-Studie ist es, den Zusammenbruch der Mikrozirkulation bei MODS zu verhindern und so die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern.

Bei insgesamt zehn Patienten einer internistischen Intensivstation wird dabei in einem viertägigen Behandlungsintervall vor und nach einer Stimulation mit physikalischer Gefäßtherapie die Mikrozirkulation der Mundschleimhaut untersucht, wie Kühnert bei der Veranstaltung des Unternehmens Bemer berichtete.

Dabei wird die Durchblutung der kleinsten Gefäße mit Sidestream darkfield imaging/SDF untersucht, was die Bestimmung der Gesamtkapillardichte sowie des mikrozirkulatorischen Flussindex ermöglicht. Gleichzeitig werden weitere hämodynamische Parameter erfasst und auch die Sicherheit des Verfahrens geprüft.

Sollte die spätestens Anfang kommenden Jahres beendete Studie erfolgreich ausfallen, werde sich daran eine multizentrische Evaluation anschließen, so Kühnert.

Die Mikrozirkulation ist das Nadelöhr der Organdurchblutung!

Professor Karl Werdan,

Herzzentrum des Uniklinikums Halle

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »