Ärzte Zeitung online, 10.11.2017
 

Aortenstenose

TAVI-Klappen bleiben dauerhaft stabil

Nach der Transkatheter-Methode ersetzte Aortenklappen funktionieren dauerhaft nicht schlechter als offenchirurgisch eingesetzte. Das belegen nun über fünf Jahre erhobene echokardiografische Daten.

Von Robert Bublak

TAVI-Klappen bleiben dauerhaft stabil

Nach interventionellem Aortenklappenersatz verändert sich die Hämodynamik langfristig kaum.

© Monkey Business Images / panther

DURHAM / NORTH CAROLINA. Ergebnisse der "Placement of Aortic Transcatheter Valves"(PARTNER)-Studie haben bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sich der über eine Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) eingebaute Ersatz für stenotische Aortenklappen nicht hinter in offener Herzchirurgie ersetzten Klappen zu verstecken braucht.

Zum Einsatz kamen bei der TAVI ballonexpandierte Sapien-Klappen der ersten Generation. Beteiligt waren fast 2800 Patientinnen (47 Prozent) und Patienten in einem Durchschnittsalter von 84,5 Jahren. 313 von ihnen erhielten einen chirurgischen Klappenersatz. Nach fünf Jahren lebten nach TAVI noch 34 Prozent und nach chirurgischem Vorgehen noch 37 Prozent der Patienten, ohne dass ein erneuter Eingriff nötig gewesen wäre.

Eine Forschergruppe um Pamela Douglas von der Duke University in Durham hat die echokardiografischen Daten der Patienten ausgewertet, die über fünf Jahre hinweg – nach einer Woche, einem Monat, einem Jahr und in der Folge jährlich – erhoben worden waren (JAMA Cardiol 2017, online 27. September). Fünf-Jahres-Daten lagen von 424 TAVI- und 49 chirurgisch behandelten Patienten vor.

Druckgradient geht zurück

Bereits in den ersten Monaten nach TAVI zeigten sich günstige Veränderungen der Hämodynamik. Der mittlere Druckgradient an der Aortenklappe ging von anfangs 12,1 mmHg um 2,9 mmHg zurück, stieg dann leicht wieder an und lag nach fünf Jahren schließlich bei 10,1 mmHg.

Der Doppler-Geschwindigkeitsindex, gemessen als das Verhältnis der Geschwindigkeit im proximalen linksventrikulären Ausflusstrakt zum Jet der Klappe, sank um 0,028. Die effektive Öffnungsfläche wuchs um 0,09 cm2. Alle diese Werte blieben über die Nachbeobachtungszeit hinweg relativ stabil. Patienten mit chirurgischem Klappenersatz zeigten keine signifikanten Veränderungen der Hämodynamik.

Mäßige Regurgitationen aus der Aorta waren nach TAVI bei 3,6 Prozent, schwere Rückflüsse bei 0,2 Prozent der TAVI-Patienten zu verzeichnen. Nach chirurgischem Ersatz betrug die Rate mäßiger Regurgitationen 0,6 Prozent, schwere Formen traten nicht auf. 0,8 Prozent (TAVI) bzw. 0,3 Prozent (chirurgischer Klappenersatz) der Patienten benötigten einen erneuten Eingriff. Hauptgrund dafür waren paravalvuläre Lecks.

Ob die Patienten nach TAVI während des Follow-up starben oder Reinterventionen nötig waren, hing von einigen Faktoren ab. Riskant waren eine niedrigere Auswurffraktion, ein geringerer Schlagvolumen-Index und in den ersten drei Jahren ein relativ höherer Druckgradient, jeweils im Vergleich zu den interventionsfrei Überlebenden. Keine Verbindung bestand zum Doppler-Geschwindigkeitsindex und zur Öffnungsfläche.

Exzellente Haltbarkeit

In puncto Hämodynamik stellen die Autoren der TAVI insgesamt ein gutes Zeugnis aus. "Schwere Entgleisungen, die auf eine Klappenthrombose oder -stenose hindeuten könnten, traten selten auf", schreiben die US-Forscher.

Die Dauerhaftigkeit der per Katheter eingesetzten Aortenklappen beurteilen sie als "exzellent". Die echokardiografischen Daten hätten jedoch mit der Zeit eine leichte hämodynamische Verschlechterung und eine steigende Prävalenz von Regurgitationen gezeigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »

Jamaika – Paritätische Finanzierung ist vom Tisch

Ein neues Sondierungspapier zeigt: Die potenziellen Jamaika-Partner suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner in der Gesundheitspolitik. mehr »