Ärzte Zeitung online, 14.05.2018

Fischölkapseln

Schläge ins Wasser

Kommentar von Robert Bublak

robert.bublak

Schreiben Sie dem Autor robert.bublak@springer.com

Weshalb genau Xerxes I. das Meer am Hellespont auspeitschen ließ, ist auch nach zweieinhalbtausend Jahren nicht restlos klar. Jedenfalls verurteilte der Perserkönig das Wasser nach dem misslungenen Brückenschlag über die Dardanellen zu 300 Hieben – und seither gilt die Tat als Musterbeispiel für den zur Redensart gewordenen "Schlag ins Wasser".

Als eine der Gewässerzüchtigung vergleichbar ambitionierte wie letztlich nutzlose Maßnahme hat sich der Versuch erwiesen, mithilfe von fischölhaltigen Nahrungszusätzen gefäßbedingten Komplikationen vorzubeugen. Das geht aus den Ergebnissen einer Metaanalyse von Studien hervor, für die zigtausende kardiovaskulär gefährdete Probanden jahrelang Eicosapentaen- oder Docosahexaensäure eingenommen hatten. Das Risiko für Herz- und Hirninfarkte blieb davon unbeeinflusst, die Mortalitätsrate wurde nicht reduziert. Die Supplementation mit Omega-3-Fettsäure-haltigem Fischöl ist offenbar ein Schlag ins Wasser., der höchstens dazu taugt, die darin schwimmenden Öllieferanten zu erschrecken

Statt das Meer zu peitschen, hätte Xerxes also auch eine Fischölkapsel schlucken können; der Ertrag wäre ebenfalls gleich null gewesen. Ohnehin hätte ihn am Ende die beste Herz-Kreislauf-Prophylaxe nicht zu retten vermocht: Der König wurde im Schlaf ermordet. Seite 12

Lesen Sie dazu auch:
Metaanalyse: Fischöl taugt nicht zum Herzschutz

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Vom Chefarzt zum Hausarzt-Assistenten

Selten dürfte es sein, wenn nicht einmalig: Dr. Roger Kuhn hat seinen Chefarztposten im Krankenhaus aufgegeben, um in einer Hausarztpraxis zu arbeiten – als Assistent. mehr »

Wenn die Depressions-App zweimal klingelt

Smartphone-Apps könnten helfen, eine beginnende Depression oder ein hohes Suizidrisiko aufzuspüren. Lernfähige Algorithmen könnten ein verändertes Nutzerverhalten erkennen – und notfalls Alarm schlagen. mehr »

Psychotherapeuten versus Regierung

Die Psychotherapeuten laufen Sturm gegen das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Sie fordern gleiche Rechte für ihre Patienten. mehr »