Kommentar – ASPREE-Studie

Tiefschläge für ASS

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:

Tun sich Menschen ohne Herzerkrankungen, die zu deren Vorbeugung täglich Acetylsalicylsäure (ASS) schlucken, wirklich etwas Gutes?

Die aktuell publizierte ASPREE-Studie ist nach den jüngst präsentierten Studien ASCEND und ARRIVE schon die dritte Mega-Studie in kurzer Zeit, die am Nutzen dieser Form der Primärprävention stark zweifeln lässt.

Den drei mehr oder weniger "negativen" Studien lässt sich dennoch Positives abgewinnen. Zum einen ist auch das evidenzbasierte Wissen darum, welche Therapien ob ihrer Wirkungslosigkeit überflüssig sind, für die Praxis sehr hilfreich.

Zum anderen kann die Tatsache, dass die Raten kardiovaskulärer Ereignisse in allen drei Studien am Ende deutlich niedriger als erwartet ausfielen, durchaus als gute Nachricht verstanden werden.

Selbst die für die ASCEND-Studie gezielt ausgewählten Patienten mit Diabetes-Erkrankung werden heute bezüglich bestehender kardiovaskulärer Risikofaktoren anscheinend so gut behandelt, dass ihr vermeintlich hohes Risiko längst nicht mehr so hoch ist wie gedacht.

Ist bezüglich modifizierbaren Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie und Rauchen eine gute Einstellung gewährleistet, ist durch Primärprävention mit ASS im Allgemeinen kaum noch etwas zu gewinnen, lautet die Lektion.

Lesen Sie dazu auch: Primärpräventionsstudie mit Senioren: Debakel für ASS

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 19.09.201808:56 Uhr

ASS ist kein Airbag!

Eine Primär-Prävention mit Acetylsalicylsäure (ASS) nützt selbst beim älteren Typ-2-Diabetiker nichts. Aber auch unsere Patienten mit anderen Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie, Rauchen, Saufen, Fehlernährung, Übergewicht oder Askese profitieren nach ASPREE, ASCEND und ARRIVE nicht primär von ASS 100 (Bandbreite zwischen 50 und 300 mg).

Es verhält sich wie bei Airbag, ABS und Anschnallpflicht: Nach 50-jährigem, unfallfreien Fahren hatten alle drei Primärpräventions-Systeme keinerlei Wirkung zeigen können.

Bei einem Crash sind wir jedoch froh, dass wir sie eingebaut haben, denn dann greift die Akutprävention: ASS ist jedoch beim akuten Koronarsyndom (ACS) unwirksam, da sind andere interventionelle und medikamentöse Mechanismen wirksam.

Erst die Sekundärprävention nach Koronar-Ereignissen belegt die Wirksamkeit von ASS 100.

Die unwirksame Primärprävention mit ASS 100 ist vergleichbar mit dem Versuch, täglich den Airbag geringfügig auslösen zu wollen, um zu kontrollieren, ob er im Notfall auch funktionieren würde. Dafür ist im Ernstfall aber dann "die Luft raus"!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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