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Bluthochdruck

Jeder Achte spricht auf Medikamente nicht an

Vielen Patienten mit Bluthochdruck helfen Arzneimittel nicht weiter: Jeder Achte ist resistent, zeigen neue Studiendaten. Diese Hypertoniker sind besonders gefährdet für Infarkte.

Peter OverbeckVon Peter Overbeck Veröffentlicht:
Wenn Hypertonikern ACE-Hemmern nicht helfen, den Blutdruck zu senken, besteht eine erhöhte Gefahr für Infarkte.

Wenn Hypertonikern ACE-Hemmern nicht helfen, den Blutdruck zu senken, besteht eine erhöhte Gefahr für Infarkte.

© John Cooke / iStockphoto.com

NEU-ISENBURG. Wann ist eine Hypertonie als therapierefraktär einzustufen?

Eine von Fachgesellschaften übernommene Definition lautet: bei Blutdruckwerten über 140/90 mmHg (über 130/80 mmHg bei Diabetikern oder Nierenkranken) trotz regelmäßiger Einnahme von drei oder mehr Antihypertensiva in maximal verträglicher Dosis (darunter ein Diuretikum).

Mit dieser Definition hat sich eine internationale Forschergruppe in einer Studie daran gemacht, die Prävalenz der "resistenten" Hypertonie und die damit verbundenen Risiken zu ergründen (Eur Heart J 2012; online 9. November). Dazu nutzten sie Daten aus dem 2003 gestarteten REACH-Register.

Studie mit Patienten in 44 Ländern

REACH ist eines der größten Register, in dem Daten zur Krankheitsentwicklung bei subklinischen oder manifesten Gefäßerkrankungen erhoben wurden. Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte auch Bluthochdruck.

Am Register nehmen rund 69.000 Patienten in 44 Ländern teil. Die aktuelle Analyse stützt sich auf Daten von 53.530 Teilnehmern mit zusätzlich bestehender Hypertonie, deren Nachbeobachtung sich über vier Jahre erstreckte.

Nach den genannten Definitionskriterien erwies sich die Hypertonie bei 12,7 Prozent aller Studienteilnehmer als therapierefraktär oder resistent.

Davon nahmen rund die Hälfte (6,2 Prozent) drei, etwa jeder Dritte (4,6 Prozent) vier und der Rest (1,9 Prozent) fünf oder mehr Blutdrucksenker ein.

Außer einem Diuretikum waren dabei ACE-Hemmer/Sartane (90,1 Prozent), Betablocker (67 Prozent) und Kalziumantagonisten (50,8 Prozent) die häufigsten Antihypertensiva.

Erhöhtes Risiko für Infarkte

Eine resistente Hypertonie war im Vergleich zum einstellbaren Bluthochdruck mit einem signifikant um 11 Prozent höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall) assoziiert.

Nicht unerwartet waren es vor allem nicht tödliche Schlaganfälle und Klinikeinweisungen infolge Herzinsuffizienz, deren Rate jeweils signifikant um 26 Prozent respektive 36 Prozent erhöht war.

Je höher die Zahl der eingenommenen Antihypertensiva, desto höher war die Rate der kardiovaskulären Ereignisse.

So hatten Patienten mit fünf oder mehr Blutdrucksenkern ein um 21 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall als Patienten, die nur drei oder weniger Antihypertensiva einnahmen.

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Kommentare
Britta Schaar 16.02.201313:26 Uhr

Was kan man tun fuer solche Patieten?

Sehr geehrter Herr Overbeck!

Ich arbeite als Krankenschwester in einem Altersheim in Schweden.

In den vergangenen Jahren hatte wir unter anderm 5 Patienten, die nicht auf die verordneten Antihypertensiva ansprachen (Blutdruckswerte systolisch 170 bis 220 / diastolisch 90 bis 120 mmHg). Alle Patienten waren älter als 80 Jahre und hatten zwischen 3 - 5 unterschiedliche Antihypertensiva.. Problem fuer diese Personen war, dass sie unter einer Vielzahl Nebenwirkungen litten, die diese Arzneimittel vor allem bei älteren Patienten verursachen.
Nebenwirkungen wie Muedigkeit, Inaktivität, Verwirrtheitszustände, Verspopfung und Depression waren unter anderem bei allen diesen Patienten zu beobachten.
Alle fuenf Patienten waren ausserdem in unterschiedlichem Grad dehydriert.
Als Folge dieser Beobachtungen wurde unter ärztlicher Anordnung begonnen die Antihypertensiva langsam und schrittweise zu reducieren.
Zeitgleich versorgte man die Patienten mit Ringeracetatlösung entsprechend ihrem Dehydratiosgrad.
Nach erfolgter Therapie haben die Patienten trots ihres hohen Alters ein grosses Mass an Lebensqualitet zurueckgewonnen. Die oben beschriebenen Nebenwirkungen verschwanden ganz oder zumindest teilweise.
Zeitgleich sank der Blutdruck bei allen fuenf Patienten auf ein fuer diese Patientengruppe akzeptable Werte (von systolisch 130 bis 155 / distolisch 80 bis 100).
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Dehydration und hohem Blutdruck?
In der Literatur findet man keine Hinweise darauf. Im Gegenteil, in der Schulmedicin liest man nur von niedrigem Blutdruck und schnellem Puls im Zusammenhang mit Dehydration.
Können ACE-hemmer dazu beitragen, dass vor allem alte Menschen dehydrieren und somit erhöhte Blutdruckswerte zu beobachten sind?
Sie schreiben: "Vielen Patienten mit Bluthochdruck helfen Arzneimittel nicht weiter:" In Ihrem Artikel beschreiben sie aber, dass Arzneimittel fuer solche Patienten ein höheres Infarktrisiko bedeutet, also nicht nur nicht weiter helfen, sondern sogar schädlich sind.
Was also tun rein praktisch?

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