Ärzte Zeitung, 08.03.2017

Frauen auf dem Fußballfeld

Kicken senkt den Blutdruck

FC Frauenpower gegen die SG Superkerle? In Dänemark haben Forscher zum Fußballspiel geladen. Der 4:0-Sieg liegt klar bei den Frauen: Ihr Blutdruck ist gesunken, die körperliche Fitness gestiegen, das Körperfett hat ab- und die Knochendichte zugenommen.

Von Robert Bublak

Fußball kicken senkt den Blutdruck

Top-Ergebnis: Um 5mmHg sank der mittlere arterielle Blutdruck in der Gruppe der Fußballerinnen innerhalb eines Jahres. © H. Brauer / Fotolia.com

ODENSE. Wer sich überlegte, wen man wohl zum Fußballspielen animieren könnte – Frauen um die 40 mit zu hohem Blutdruck, die ihr Leben vor allem sitzend zubringen, wären vermutlich nicht die erste Wahl. Dänen allerdings vermag derlei Skepsis nicht zu erschüttern, namentlich nicht Professor Peter Krustrup, Sport- und Gesundheitswissenschaftler von der Universität in Odense.

Zusammen mit dem dänischen Fußballverband hat er 2011 eine Initiative zur Fußball-Fitness ("Fodbold Fitness") gegründet. Seither kann, wer möchte, zwei- bis dreimal wöchentlich an einem Fußballtraining teilnehmen, das von 275 dänischen Fußballclubs angeboten wird.

Mitten unter den Teilnehmern: Frauen um die 40 mit zu hohem Blutdruck, die ihr Leben vor allem sitzend zubringen – beziehungsweise bis zum Beginn ihrer Fodbold-Fitness-Laufbahn zugebracht hatten. Welchen gesundheitlichen Profit die Frauen von der Kickerei haben, hat Krustrup in einer Studie überprüft (Scand J Med Sci Sports, online Januar 2017). Das Ergebnis hat er nun vorgelegt. Es lautet auf 4 : 0 für die Frauen: Der Blutdruck ist gesunken, die körperliche Fitness gestiegen, das Körperfett hat ab- und die Knochendichte zugenommen.

128 Trainingsstunden

Ein Jahr lang hatten sich 19 Frauen mit leichter Hypertonie und einem Body-Mass-Index von mehr als 25 zwei- bis dreimal wöchentlich an einem einstündigen Fußballtraining beteiligt. Im Durchschnitt kamen dabei insgesamt 128 Trainingsstunden zusammen.

Die Stunden setzten sich zusammen aus einer zehnminütigen Aufwärmphase, gefolgt von vier Runden à zwölf Minuten, in denen Mann- und Frauschaft in kleinen Teams von vier bis acht Spielern gegeneinander kickten. Anwesend war zudem ein ausgebildeter Fußballtrainer, der darauf achtete, dass es dabei nicht zu gemütlich herging.

Nach einem Jahr war der mittlere arterielle Blutdruck in der Gruppe der Fußballerinnen im Schnitt um 5 mmHg gesunken. In einer Kontrollgruppe von 12 nicht trainierenden Frauen war er um 4 mmHg gestiegen. Das Körpergewicht hatte um 2,5 kg abgenommen (Kontrollen: Zunahme um 0,6 kg), die Körperfettmasse um 3,2 kg (+0,2 kg). (Planare) Knochenmineraldichte und Mineralgehalt der Knochen hatten ebenfalls zugelegt (+0,004 vs. –0,019 g/cm2 bzw. +30 g vs. –39 g).

Auch Lipidprofil, körperliche Ausdauer und Leistungsfähigkeit waren durch das Fußballtraining günstig beeinflusst worden.

Auch der FC Prostata tritt an

Krustrup hat übrigens nicht nur den Fußball für hypertone Frauen im Blick. Zu seinen Konzepten gehört auch der FC Prostata, für den Männer mit Prostatakrebs aufs Feld laufen.

Fußballerisch versuchen sie, gegen die Nebenwirkungen der Androgendeprivation anzuspielen sowie zu Teamgeist und Lebensmut zu finden. Das Projekt ist im vergangenen Jahr mit dem Dänischen Sportpreis ausgezeichnet worden.

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