Ärzte Zeitung, 09.02.2015

Blutfette und Schlaganfall

Aufs HDL-Cholesterin kommt's an

Den Zusammenhang zwischen bestimmten Lipid- und Lipoproteinmarkern im Blut mit dem Risiko für einen Schlaganfall haben US-Forscher untersucht. Sie stießen auf deutlich Unterschiede zur Situation bei Herzinfarkten.

Von Robert Bublak

Aufs HDL-Cholesterin kommt's an

Den Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterin und dem Schlaganfallrisiko haben US-Forscher untersucht.

© Klaus Rose

BOSTON. Ein niedriger Plasmaspiegel des HDL-Cholesterins von 40 mg/dl und darunter sowie ein Quotient aus Gesamt- und HDL-Cholesterin von fünf und darüber waren in einer US-Studie mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall assoziiert.

Die Gefahr, binnen zehn Jahren einen ischämischen Insult (embolische Ereignisse eingeschlossen) zu erleiden, war dabei um 59 und 47 Prozent erhöht.

Hingegen konnte eine Forschergruppe der Framingham Heart Study um Aleksandra Pikula (Boston) keine Verbindung zwischen ischämischen Schlaganfällen und den LDL-Cholesterin- bzw. den Triglyzeridspiegeln entdecken.

Bedeutung von Blutlipiden bei Schlaganfall nicht sicher

Die Berechnungen waren nach sonstigen Risikofaktoren wie etwa Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes abgeglichen (Neurology 2015, online 7. Januar).

An der Studie waren 6276 Probanden im mittleren Alter von 64 Jahren beteiligt, die zu Beginn noch frei von ischämischen Hirnläsionen gewesen waren. In dieser Gruppe ereigneten sich 301 ischämische Insulte.

Bei einer zweiten Gruppe von 5875 Probanden gleichen Alters wurde geprüft, wie sich die Plasmalipid-Konzentrationen auf die Zehn-Jahres-Inzidenz von Herzinfarkten auswirken.

403 Infarkte wurden registriert, aber im Gegensatz zu den Resultaten bei den zerebralen Insulten korrelierten hier sämtliche Lipidmarker mit dem kardialen Risiko.

Das kommt nicht überraschend, denn als Risikoprädiktoren für ischämische Herzerkrankungen sind die Blutlipide gut etabliert. Weniger gesichert ist ihre Bedeutung für die Vorhersage von Schlaganfällen.

Die Teilnehmer wurden auch einer Genotypisierung von 47 Einzelnukleotid-Polymorphismen unterzogen, die mit den HDL-Spiegeln assoziiert sind. Damit wollten Pikula und ihr Team klären, ob die Blutfett-Insult-Beziehung kausaler Natur ist.

Diese Untersuchungen verliefen indes negativ, was eine ursächliche Verknüpfung zunächst weniger plausibel macht. Allerdings können die Forscher nicht ausschließen, dass die Teststärke der Studie nicht ausgereicht hat, einen solchen Nachweis zu führen.

Das Fazit der Forscher lautet daher: "Unsere Ergebnisse sprechen für eine wichtige Rolle, die das HDL-Cholesterin gegenüber anderen Lipidmarkern bei der optimalen Abschätzung des Schlaganfallrisikos spielt." Eine kausale Funktion sei hingegen weniger wahrscheinlich.

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