Ärzte Zeitung online, 10.03.2017

Klimakterium

Schlechter Schlaf ist riskant für die Gefäße

Rund die Hälfte der Frauen im Klimakterium leidet unter Schlafstörungen. Offenbar sind damit auch Gefäßerkrankungen assoziiert.

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Darstellungen der Halsschlagadern in der Angiografie.

© Dr. Matthias Ernert / Arteria Photography

ORLANDO. Schlafstörungen sind für viele Frauen belastender als andere Wechseljahresbeschwerden. Sinkende Östrogenspiegel werden dafür verantwortlich gemacht. Depressionen können eine Rolle spielen. Aber auch Schlafapnoe ist in den Wechseljahren häufiger. Das kann zu nachhaltiger Leistungsminderung am Tag führen.

In einer vom National Institute of Health and National Heart, Lung, and Blood Institute (NIH) gesponserten Studie wurde nun gezeigt, dass bei Schlafstörungen im Klimakterium häufig Atheroskleroseprozesse in den Karotiden vorliegen (NAMS 2016; Abstract S-16). In der Studie wurden 256 Frauen in der Peri- oder Postmenopause mit noch vorhandenem Uterus und zumindest einem Ovar untersucht. Die Probandinnen waren zwischen 40 und 60 Jahre alt.

Alle waren Nichtraucherinnen und keine der Studienteilnehmerinnen arbeitete Nachtschicht. Keine Probandin hatte anamnestische und aktuelle klinische Hinweise auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Keine nahm Schlafmittel ein oder Medikamente, die das Herz-Kreislauf-System beeinflussen könnten (Betablocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer oder Insulin). Alle Studienteilnehmerinnen trugen drei Tage lang einen Aktigrafen zum Schlafmonitoring. Hitzewallungen wurden durch einen sternalen Sensor dokumentiert. Bei allen Teilnehmerinnen wurde der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) durchgeführt, und alle bekamen eine Duplexuntersuchung der Karotiden zur Dokumentation der Intima-Media-Dicke (IMT) und zur Evaluation von Plaques.

Eine Blutabnahme diente der Bestimmung der Blutfette, des Blutzuckers, ferner der Insulin- und Östrogenspiegel.

Die Ergebnisse: Vermehrte Schlafstörungen und verkürzter Schlaf korrelierten mit vermehrten Plaques und einer Zunahme der Intima-Media-Dicke (Odds Ratio 1,58). Eine Schlafdauer von > 7 Stunden war nicht protektiv. Auch eine schlechtere Schlafqualität korrelierte mit einer Zunahme atherosklerotischer Veränderungen an den Halsschlagadern. Dies zeigte sich auch unter Berücksichtigung der Kovariaten wie Östrogenspiegel, Hitzewallungen und depressive Symptome. Die Autoren fordern ein Herz- und Gefäßscreening bei Frauen mit Schlafstörungen in den Wechseljahren.

Eine Kausalität sei allerdings durch diese Studie nicht bewiesen, kommentiert Professor Curt Diehm, Max-Grundig-Klinik, Bühl, die Studie auf www.springermedizin.de. Abzustreiten sei aber nicht, dass Schlafstörungen Hand in Hand gehen mit zunehmenden atherosklerotischen Veränderungen an den Halsschlagadern. (eb)

Ergebnisse einer Studie

- Vermehrte Schlafstörungen und verkürzter Schlaf korrelierten mit vermehrten Plaques und einer Zunahme der Intima-Media-Dicke.

- Auch eine schlechtere Schlafqualität korrelierte mit einer Zunahme atherosklerotischer Veränderungen an den Halsschlagadern.

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