Ärzte Zeitung online, 28.08.2017
 

Studie beim ESC

"Das Herz mag kein Salz"

Hängt ein hoher Salzkonsum nicht nur mit hohem Blutdruck als Risikofaktor für KHK und Schlaganfall zuzsammen? Auf dem ESC haben finnische Forscher nun Studiendaten präsentiert, die eine Verbindung von Salz und Herzinsuffizienz herstellen.

"Das Herz mag kein Salz"

Weißes Gold: Zu viel Salz erhöht einer Studie zufolge auch das Risiko für Herzinsuffizienz.

© Sea Wave / stock.adobe.com

BARCELONA. Wer viel Salz zu sich nimmt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz. Das ergibt eine finnische Follow-up-Studie mit 4630 Probanden (Alter: 25 bis 64 Jahre). Diese wurde jetzt auf dem Europäischen Kardiologiekongress (ESC) in Barcelona vorgestellt.

Ein Team um Prof. Pekka Jousilahti vom National Institute for Health and Welfare hat die Teilnehmer der Studienkohorte über einen Zeitraum von 12 Jahren miteinander verglichen. Die Wissenschaftler untersuchten die aufgenommene Salzmenge und erhoben Gewicht, Größe sowie Blutdruck. Daneben wurden weitere Blutparameter analysiert. Die Menge an aufgenommenem Salz ermittelte das Team anhand von 24-Stunden-Urinproben. Im Labor wurden das Urinvolumen bestimmt und 100 ml-Proben analysiert. Ein Gramm Salzkonsum wurde dabei gleichgesetzt mit 17,1 mmol Natriumexkretion.

Hoher Salzkonsum = hohes Risiko

Die Forscher stellten dabei fest, dass innerhalb der 12 Jahre 121 Teilnehmer eine Herzschwäche entwickelten. Dabei hatten Menschen, die mehr als 13,7 Gramm Salz pro Tag konsumierten, ein doppelt so hohes Risiko für Herzinsuffizienz wie jene, die weniger als 6,8 Gram zu sich nahmen.

Jousilahtis Fazit: "Das Herz mag kein Salz!" Das mit zunehmendem Salzkonsum ansteigende Risiko für eine Herzinsuffizienz sei in der Studie sogar unabhängig vom Blutdruck gewesen. Dennoch wisse man zu wenig über den genauen Zusammenhang zwischen konsumierter Salzmenge und Herzschwäche. Weitere Studien mit mehr Teilnehmern seien nötig, um diesen nun zu analysieren, so der Forscher.

Die WHO empfiehlt eine maximale Salzzufuhr von fünf Gramm am Tag für Erwachsene. Die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention DHL® e. V. hat sich auf eine Obergrenze von 6 Gramm Kochsalz pro Tag festgelegt. Der tatsächliche Konsum liegt aber weit darüber: Der durchschnittliche Salzkonsum liegt in Deutschland laut Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft bei 8,4 Gramm (Frauen) und 10 Gramm (Männer). (ajo)

[29.08.2017, 11:48:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
SIADS (SIADH) blieb bei Kochsalz-Studie unberücksichtigt
"High salt intake associated with doubled risk of heart failure" vom 27. August 2017 unter dem Oberthema "Prevention" berücksichtigte jedoch nicht ein mögliches SIADS (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion) unter den Probandinnen und Probanden.

Das Schwartz-Bartter-Syndrom oder Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion, auch SIADH genannt, führt zu unangemessen hohen Ausschüttungen von Antidiuretischem Hormon (ADH, Adiuretin, Vasopressin) und zu einer zu geringen Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren mit Entstehung eines unzureichend verdünnten Urins bei massiver Hypernatri-Urie und gleichzeitiger Hyponatri-Ämie: Laborchemisch durch hypotone Hyperhydratation mit Verdünnungshyponatriämie (Serum-Natrium < 135 mmol/l) und unangemessen hoher Osmolalität des Urins (> 1000 mOsm/kg) charakterisiert.

Dies wurde in der folgenden Publikation nicht berücksichtigt:
Barcelona, Spain – 27 Aug 2017: High salt intake is associated with a doubled risk of heart failure, according to a 12-year study in more than 4 000 people presented today at ESC Congress.
“High salt (sodium chloride) intake is one of the major causes of high blood pressure and an independent risk factor for coronary heart disease (CHD) and stroke,” said Prof Pekka Jousilahti, research professor at the National Institute for Health and Welfare, Helsinki, Finland. “In addition to CHD and stroke, heart failure is one of the major cardiovascular diseases in Europe and globally but the role of high salt intake in its development is unknown.”
This study assessed the relationship of salt intake and the development of heart failure. Estimation of individual salt intake is methodologically demanding and therefore suitable population-based cohorts are rare. This study used 24 hour sodium extraction, which is considered the gold standard for salt intake estimation at individual level."

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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