Ärzte Zeitung, 08.06.2007

Antikoagulation schlägt ASS bei Vorhofflimmern

Auch alte Patienten profitieren von effizienterer Schlaganfallprophylaxe / Blutungsrisiko ist nicht erhöht

GLASGOW (ob). Schlaganfälle auf Basis eines Vorhofflimmerns lassen sich durch orale Antikoagulation weitaus effektiver verhindern als durch Plättchenhemmung mit ASS. Dies gilt Ergebnissen einer neuen Studie zufolge auch für die am stärksten gefährdete Risikogruppe der alten und sehr alten Patienten.

Danach ist ihr Risiko, bei bestehendem Vorhofflimmern einen tödlichen oder zu dauerhafter Behinderung führenden Hirninsult zu erleiden, bei Antikoagulation mit einem Cumarinderivat nur etwa halb so hoch wie bei Prophylaxe mit ASS. Dieser Vorteil der Antikoagulation geht nicht auf Kosten eines erhöhten Blutungsrisikos. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Dr. Jonathan Mant aus Birmingham in der jetzt auf der European Stroke Conference in Glasgow präsentierten BAFTA*-Studie.

Mant und seine Kollegen wollten mit dieser Studie eine prekäre Wissenslücke schließen. Einerseits gilt als bewiesen, dass Antikoagulation bei Vorhofflimmern besser vor Schlaganfällen schützt als ASS. Andererseits waren in den einschlägigen Studien alte Patienten eindeutig unterrepräsentiert. Gerade sie benötigen angesichts der hohen Prävalenz von Vorhofflimmern und damit assoziierter Schlaganfälle im höheren Alter diesen Schutz am dringendsten. Aus Sorge, dass der Nutzen der Antikoagulation bei alten Patienten womöglich durch eine erhöhte Blutungsrate zunichte gemacht wird, wird jedoch in der Praxis häufig auf diese Prophylaxe verzichtet.

Zu Unrecht, wie die BAFTA-Daten vermuten lassen. Mehr als 260 niedergelassene Kollegen in England und Wales hatten 973 alte Patienten (mittleres Alter: 81 Jahre) mit Vorhofflimmern im Schnitt 2,7 Jahre lang mit einem Cumarinderivat (Warfarin, Ziel-INR: 2 bis 3) oder mit ASS (75 mg/Tag) behandelt.

Wie Mant berichtete, war die jährliche Schlaganfallrate mit 1,8 versus 3,8 Prozent in der Gruppe mit Antikoagulation signifikant niedriger als in der ASS-Gruppe. Bei den intrakraniellen Blutungen wie auch den Blutungskomplikationen insgesamt bestand dagegen kein signifikanter Unterschied. Nach den BAFTA-Daten müssen etwa 50 alte Patienten mit Vorhofflimmern ein Jahr lang antikoaguliert werden, um ein schweres zerebrovaskuläres Ereignis zu verhindern.

* BAFTA steht für: Birmingham Atrial Fibrillation Treatment of the Aged

STICHWORT

Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Ihre Prävalenz nimmt beim Altern zu. Die Prognose von Patienten mit Vorhofflimmern wird entscheidend durch thromboembolische Ereignisse bestimmt, die überwiegend das zerebrale Stromgebiet betreffen. Am stärksten sind Patienten mit rheumatischen Klappenvitien bedroht. Aber auch beim nicht-valvulären Vorhofflimmern ist das Schlaganfall-Risiko deutlich erhöht. Die Prävention von Thromboembolien ist deshalb wesentlicher Bestandteil der Therapie bei Vorhofflimmern. Studien belegen, dass sich das Schlaganfall-Risiko durch orale Antikoagulation um 60 bis 70 Prozent senken lässt. (ob)

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