Thrombose/Schlaganfall

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Modul: Akuttherapie und Sekundärprophylaxe des ischämischen Schlaganfalls – Ein Musterbeispiel für personalisierte Medizin

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Ärzte Zeitung, 06.12.2005

Hilft Antibiotika-Prophylaxe bei frischem Schlaganfall?

Schlaganfall-Patienten haben oft Infekte / Störungen im Immunsystem nachgewiesen / Antibiotika-Prophylaxe wird jetzt geprüft

BERLIN (gvg). Schlaganfall-Patienten entwickeln überdurchschnittlich häufig schwere Infektionen. Neurologen der Charité in Berlin haben herausgefunden, daß bei einem Teil der Betroffenen das Immunsystem unterdrückt wird.

Die Inzidenz schwerer Infektionen bei Patienten mit akutem Schlaganfall liege bei bis zu 65 Prozent, sagte Professor Arno Villringer von der Charité in Berlin. In erster Linie handele es sich dabei um bakterielle Lungenentzündungen und schwere Harnwegsinfekte.

Lange sei das ausschließlich damit erklärt worden, daß die Patienten häufig bettlägrig sind und auf Intensivstationen behandelt werden, wo das Infektionsrisiko ohnehin erhöht ist. In letzter Zeit mehrten sich allerdings die Hinweise darauf, daß es auch vom Gesamtzustand der Patienten unabhängige Faktoren gibt, die beim frischen Schlaganfall das Infektionsrisiko in die Höhe trieben, so Villringer auf dem Kongreß der Hochdruckliga in Berlin.

    Ab dem zweiten Tag sind Infekte die häufigste Todesursache.
   

Erste Hinweise darauf stammen aus Tierversuchen, in denen die Versuchstiere nach einem künstlich hervorgerufenen Schlaganfall innerhalb von Stunden eine ausgeprägte Immunsuppression entwickeln. Wird diesen Tieren prophylaktisch ein Antibiotikum gegeben, dann reduziert das die Sterberate dramatisch.

In einer Untersuchung haben Villringer und seine Kollegen das Phänomen bei Patienten mit Schlaganfall untersucht. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, daß bei jenen Patienten, die im Verlauf des Schlaganfalls schwere Infekte entwickeln, nach dem Schlaganfall die Bildung bestimmter Eiweiße des Immunsystems gehemmt worden ist. Es geht dabei um die für die Aktivierung der Immunantwort relevanten HLA-DR-Antigene auf der Zelloberfläche von T-Lymphozyten.

Ob diese Entdeckung praktische Relevanz hat, soll jetzt eine klinische Studie klären, deren Details gerade ausgearbeitet werden.

Die Fragestellung der Untersuchung lautet: Läßt sich durch die prophylaktische antibiotische Behandlung bei Patienten mit akutem Schlaganfall, ähnlich wie im Tierversuch, die Sterberate reduzieren? Villringer zumindest ist optimistisch. Denn: "Ab dem zweiten Tag nach dem Ereignis sind Infektionen die häufigste Todesursache bei diesen Patienten", so der Neurologe.

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