Ärzte Zeitung online, 01.01.2013

Phantom-Ton

Tinnitus-Therapie im Alltagstest

Welchen Nutzen bringt die Akustische CR®-Neuromodulation Tinnitus-Kranken? Halbjahresdaten einer Studie liefern Antworten aus der Praxis.

tinnitus-frau-A.jpg

Nervende Töne.

© Kaarsten / fotolia.com

MANNHEIM. Mit der Akustischen CR®-Neuromodulation (Coordinated Reset) gibt es für Patienten mit chronisch-tonalem Tinnitus eine neue Therapieoption. Sie wird in der Studie RESET Real Life in 23 Facharztpraxen einem Alltagstest unterzogen.

In der Studie werden Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Therapie bei einjähriger Langzeitanwendung bei 200 Patienten geprüft, teilt das Unternehmen ANM Adaptive Neuromodulation GmbH mit.

Die von Dr. Joachim Wichmann, HNO-Facharzt aus Krefeld, bei einer Veranstaltung in Mannheim vorgestellte Halbjahresanalyse der RESET Real-Life-Studie umfasst Daten von 152 Patienten mit chronisch-tonalem Tinnitus, die täglich vier bis sechs Stunden mit der Akustischen CR®-Neuromodulation behandelt wurden.

Bei 71 Prozent der Betroffenen verringerte sich die Beeinträchtigung durch den Tinnitus innerhalb von sechs Monaten über alle Grade hinweg klinisch relevant um mindestens zwei Punkte im Tinnitus-Beeinträchtigungs-Fragebogen (TBF-12), unabhängig von der Dauer des Tinnitus, heißt es in der Mitteilung des Medizintechnologie-Unternehmens.

"Betrachtet man die einzelnen Beeinträchtigungsgrade, konnte die Anzahl der mäßig und schwer Betroffenen halbiert werden", wird Wichmann zitiert.

Klinischer Gesamteindruck wird verbessert

Bereits nach 14 Tagen Therapie hätten knapp ein Drittel der Patienten in der siebenstufigen Clinical Global Impression Improvement Scale (CGI-I) eine positivere Selbsteinschätzung angegeben, so das Unternehmen.

Nach sechs Monaten habe sich der Anteil mit verbessertem klinischen Gesamteindruck auf 64 Prozent signifikant verdoppelt.

Die Therapie mit der Akustischen CR-Neuromodulation wird individuell auf den jeweiligen Tinnitus-Ton angepasst. Betroffene hören ihr personalisiertes CR-Therapiesignal mittels Kopfhörer von einem kleinen Patientengerät, dem CR-Neurostimulator, über einen mehrmonatigen Zeitraum für vier bis sechs Stunden über den Tag verteilt. Die Therapietöne liegen dabei nur knapp über der Hörschwelle und schränken die Patienten im Alltag nicht ein.

Dies bestätigt auch die RESET Real Life-Studie: 98 Prozent der Patienten seien therapietreu und hätten die Therapie bisher durchgehend angewendet, wird Wichmann zitiert.

Die Patienten berichteten zudem, dass die Therapie gut handhabbar und einfach in den Tagesablauf zu integrieren ist.

Die Akustische CR-Neuromodulation ist nach Angaben des Herstellers bereits in mehreren Ländern für die Behandlung bei chronisch-tonalem Tinnitus verfügbar und wird unter anderem in der Schweiz, in Österreich und Belgien sowie Großbritannien und Ungarn angewendet. (eb)

RESET steht für Randomized Evaluation of Sound Evoked treatment of Tinnitus

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »