Ärzte Zeitung, 24.03.2005

Sonographie ist Palpation der Schilddrüse deutlich überlegen

Wird die Drüse nur durch Tasten untersucht, bleiben 50 Prozent der Herdbefunde unentdeckt / Bei Knoten hängt das Vorgehen von der Größe ab

MÜNCHEN (sto). Bei jedem Ver-dacht auf eine Schilddrüsenerkrankung steht bei den bildgebenden Verfahren zur Sicherung der Diagnose die Sonographie immer an erster Stelle. Darauf hat der Nuklearmediziner Professor Christoph Reiners von der Universität Würzburg hingewiesen.

Mit Hilfe der Sonographie lasse sich die Morphologie der Schilddrüsenveränderungen und das Volumen wesentlich genauer bestimmen als mit der Palpation. So begründete Reiners beim 1. Münchner Schilddrüsenseminar auf dem Nockherberg die Empfehlung zur Sonographie, die von vielen Fachgesellschaften getragen wird. Wenn die Schilddrüse nur durch Tasten untersucht wird, entgehen dem Untersucher etwa 50 Prozent der Herdbefunde, sagte Reiners bei der von Sanofi-Aventis unterstützten Fortbildungsveranstaltung.

Wird bei der Sonographie zufällig ein Knoten in der Schilddrüse ent-deckt, hängt das weitere Vorgehen von der Größe ab, sagte Reiners. Bei Knoten kleiner als 1 cm und glatter Randbegrenzung sollte das TSH bestimmt werden. Liegt der Serum-TSH-Wert im Normbereich, sei eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion ausgeschlossen und eine sonographische Kontrolle im jährlichen Abstand ausreichend. Bei pathologisch niedrigen TSH-Werten sollte wegen des Verdachts auf eine funktionelle Autonomie der Schilddrüse eine Szintigraphie veranlaßt werden.

Bei größeren Herdbefunden mit einem Durchmesser über 1 cm unregelmäßiger Randbegrenzung und Kalkeinlagerungen müßten hingegen sofort "alle Register" gezogen werden, erklärte Reiners. Das bedeutet außer einer Szintigraphie auch eine Punktion. Die Malignität eines Knotens läßt sich mit sehr hoher Treffsicherheit durch eine Feinnadel-Punktion eingrenzen.

Dabei sei es in den meisten Fällen sinnvoll, vor der Punktion eine Szintigraphie durchzuführen, um vor allem Patienten mit kalten Knoten auszuwählen. Die Punktion selbst sollte unter Ultraschallkontrolle erfolgen. Die Sensitivität der Punktion liege dann bei 97 Prozent und die Spezifität bei 83 Prozent, berichtete Reiners.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »