Ärzte Zeitung, 28.04.2010

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Schilddrüse: Hoher Info-Bedarf bei Patienten

Wenn es um die Schilddrüse geht, ist das Informationsbedürfnis der Patienten ebenso groß wie ihre Unsicherheit. Das bestätigen aktuelle Erfahrungen einer Aktion aus Anlass der "Schilddrüsenwoche".

Von Pete Smith

FRANKFURT/MAIN. Wie groß das Informationsbedürfnis und die Unsicherheit von Patienten in puncto Schilddrüse ist, hat Dr. Bettina Overbeck, Oberärztin am Radiologischen Zentralinstitut der Städtischen Kliniken in Frankfurt am Main-Höchst und gleichzeitig niedergelassene Ärztin für Nuklearmedizin, schon im Vorfeld der "Schilddrüsenwoche" erfahren. Sie und ihre Kollegen hatten bereits in der vergangenen Woche zu einem Schilddrüsen-Forum ins Klinikum geladen, ein Aufruf, dem mehr als 70 Patienten und Ärzte gefolgt sind. Eine Besonderheit: Jeder Patient durfte sich kostenlos sonografieren lassen. Dieses Angebot nahmen natürlich viele Besucher wahr. "Fast alle hatten auffällige Befunde wie beispielsweise Knoten", berichtete Overbeck, "und manche Patienten hatten auch schon eine Operation hinter sich."

Trotz ihrer Vorkenntnisse war das Informationsbedürfnis der Patienten enorm, wie die Nuklearmedizinerin erfuhr. Die einen wollten wissen, ob ihre Knoten gutartig sind, die anderen, welche Medikamente sie einnehmen müssen, wieder anderen war nicht klar, ob ihre Beschwerden - häufiges Schwitzen, Gewichtszunahme, Nervosität, Verdauungsprobleme - auf ihren Schilddrüsenbefund zurückzuführen sind.

Ihre Erfahrungen gibt Overbeck gern an ihre Patienten weiter. Die 47-Jährige ist seit 16 Jahren Fachärztin für Nuklearmedizin und seit elf Jahren am Klinikum Höchst tätig. Seit gut einem Jahr untersucht Bettina Overbeck auch als niedergelassene Nuklearmedizinerin Patienten - im vergangenen Quartal waren es etwa 250, Tendenz steigend.

Patienten, die den Weg ins Radiologische Zentralinstitut Höchst finden, werden in der Regel von ihrem Hausarzt dorthin überwiesen - mit entsprechendem Verdacht. Nach einer gründlichen Anamnese bittet Overbeck zunächst jeden Patienten zu einer Ultraschalluntersuchung, die bereits erste Hinweise auf eine mögliche Funktionsstörung der Schilddrüse liefert. Bleibt die Sonografie unauffällig, folgt die Blutabnahme, bei einem auffälligen Befund schließt sich sogleich eine Szintigrafie an. Auch eine Punktierung sei möglich, so die Nuklearmedizinerin, die Probe werde dann umgehend an den Pathologen im Haus weitergeleitet.

Ihre häufigsten Schilddrüsen-Diagnosen seien Knoten oder Strumen, "aber auch eine Hashimoto-Thyreoiditis kommt sehr oft vor", berichtet Overbeck und lobt die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen am Klinikum Höchst. Regelmäßig treffe sich zum Beispiel ein endokrinologischer Arbeitskreis, an dem außer ihr selbst ein Endokrinologe und ein Chirurg teilnähmen, was bei komplizierten Erkrankungen sinnvoll sei. Ihre Patienten haben bereits am Tag ihrer Untersuchung oder spätestens am Folgetag Gewissheit über ihre Erkrankung. Ob Hypothyreose, Morbus Basedow oder Hashimoto - je nach Diagnose erhalten sie am Ende noch spezifisches Informationsmaterial zur Hand. Auch über die "Schilddrüsenwoche" hinaus.

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