HIV beschleunigt Verlauf der Syphilis

KÖLN (awa). Syphilis, Analkarzinome und Lymphogranuloma venereum treten inzwischen gehäuft bei Männern auf, die Sex mit Männern haben. Dabei sind HIV-positive Männer häufiger betroffen. Viele sexuell übertragbare Erkrankungen verlaufen bei ihnen schwerer und schreiten schneller fort als bei Männern, die nicht HIV-infiziert sind.

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Dieser Zusammenhang gilt vor allem bei Syphilis, deren Inzidenz seit 2001 in mehreren europäischen Ländern kontinuierlich steigt. Dies hat der Dermatologe Dr. Stefan Esser von der Universitätshautklinik Essen auf dem 15. Workshop der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) in Köln berichtet.

Von den in Deutschland zwischen November 2002 und März 2005 etwa 700 an Syphilis neu erkrankten Männern seien 31 Prozent HIV-positiv, und der Status der HIV-Infektion sei bei 20 Prozent unbekannt.

Fast jeder zweite HIV-Infizierte hatte schon Geschlechtskrankheit

Mehr als 40 Prozent der HIV-positiven Patienten mit Syphilis haben Esser zufolge schon einmal eine Geschlechtskrankheit gehabt. Deshalb sei es wichtig, sie darüber aufzuklären, daß es nach einer Infektion keine schützende Immunität gibt und daß - je nach Lokalisation - Syphilis auch durch Küssen übertragen werden könne.

Der Dermatologe wies auf mehrere Besonderheiten der Syphilis bei gleichzeitiger HIV-Infektion hin, etwa ausgeprägte Hautveränderungen mit Nekrosen und Allgemeinsymptome im Sinne einer Syphilis maligna, Übergang vom Stadium II zur Neurolues innerhalb weniger Monate anstatt einiger Jahre und Neurolues trotz Behandlung mit empfohlener Penicillin-Standardtherapie.

Deshalb schlägt Esser vor, bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, mindestens zwei- mal im Jahr eine Lues-Serologie und bei HIV-Infizierten mit aktiver Syphilis eine Liquordiagnostik zu machen.

Chlamydien-Diagnostik bei therapierefraktären Proktitiden

Auch die Rate analer intraepithelialer Neoplasien und die Rate des nicht-Aids-definierenden anorektalen Karzinoms sei bei homosexuellen Männern im Vergleich zur Normalbevölkerung deutlich erhöht, sagte Esser.

Regelmäßige, mindestens jährliche Vorsorgeuntersuchungen zum Ausschluß genitaler, perianaler und anorektaler Karzinome sollten bei dieser Patientengruppe vor allem bei symptomatischer Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) vorgenommen werden. Denn die Hochrisiko-HPV-Typen können genitoanale invasive Karzinome mitverursachen.

Bei therapierefraktären schmerzhaften Proktitiden sollte eine Chlamydien-Diagnostik vor allem auch der Serovare L1 bis L3 erwogen werden. Der Hintergrund: Die Zahl der Meldungen von Männern mit Lymphogranuloma venereum nimmt - wie berichtet - in europäischen Großstädten derzeit zu. Dabei handelt es sich um eine durch vorwiegend in den Tropen und Subtropen vorkommende Chlamydia trachomatis Serovar L ausgelöste Geschlechtskrankheit. In Deutschland sind mindestens 24 HIV-Infizierte daran erkrankt.

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